KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Wer für wen Partei ergreift

Medienvielfalt oder was?

Von Hans Gmundner (7.7.2008)

Normalerweise ist ein Kommentar für mich kein Problem. Sprudelt aus mir wie seinerzeit die Meldungen im Aktuellen Dienst des Hörfunk. Heute ist jedoch der Punkt gekommen, an dem ich nichts zu sagen habe, mich mögliche Themen kalt lassen. Die Urteile im BAWAG-Prozess, das Ringen der Koalition um die Krankenkassen­reform, zum x-ten Mal der Dichand-Brief von Gusenbauer interessieren mich nicht. Personen, die sich dazu nicht ohnehin bereits eine eigene Meinung gebildet haben, ist nicht zu helfen.

Die Einrichtung des täglichen Kommentars auf der Homepage der KPÖ hat grundsätzlich nicht die Funktion, den NutzerInnen das Denken abzunehmen. Sie sollen vielmehr angeregt werden, zu Themen aller Art ihre eigenen Gedanken zu entwickeln. Ungeheuer sind Instanzen, denen immer zu allem etwas einfällt. Darauf spielt der französische Regisseur und Filmtheoretiker Jean-Luc Godard in seiner „Geschichte des Films“ mit der Äußerung an, einmal einen TV-Kommentator erleben zu wollen, der angesichts einer überraschenden Wende in der Weltpolitik erklärt, dazu nichts sagen zu können, weil ihm substanzielle Informationen fehlen.

In der Medienpraxis werden wir laufend mit Beiträgen gequält, in denen Korrespondenten Fragen gestellt werden, die sie nicht beantworten können und dennoch beantworten. Das Ergebnis sind Wortkaskaden ohne realen Inhalt; kostbare Sendezeit wird mit Nonsens gefüllt. Dieser Betrug geht meist vom Publikum unbemerkt durch. Auch ohne Inhalte betreiben die Medienmaschinerien jedoch Meinungsbildung am laufenden Band. Wenn Sie vom ORF oder welcher Tageszeitung auch immer nicht auf den Arm genommen werden wollen, achten sie einmal auf die Varianten, die dem Wort sagen/sagte in welchem Zusammenhang gegeben werden.

Das Gros aller Meldungen beruht darauf, dass eine Person eine Äußerung von sich gegeben, also etwas gesagt hat. Unter dem Vorwand, Wortwiederholungen zu vermeiden, wird das Wort sagen in der Regel abgewandelt. Grundsätzlich kann es positiv oder negativ gewendet werden: Es ist ein großer Unterschied, ob jemand etwas erklärt, betont, hervorhebt, unterstreicht usw. oder behauptet, beschuldigt, unterstellt, kritisiert usw. Machen Sie sich einmal den Spaß und überprüfen sie, welche Staaten, Parteien, Institutionen und Personen eine Variante von sagen mit positiver oder negativer Anmutung zugeordnet wird. Dabei ist zu lernen, für wen das jeweilige Medium Partei ergreift.

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