
Von Alois Franz (16.2.2008)
In Linz tut sich was. Nicht nur die kommunikativen Bemühungen der Intendanz der Kulturhauptstadt 09, die in einer unglaublichen Liebeserklärung von Ulrich Fuchs an das Hassobjekt der denkenden LinzerInnen, den Lask, gipfelt, springt ins Auge. Der Intendant Heller hatte kurz zuvor die Kulturszene kritisiert, dass diese zu wenig Bewusstsein für den Tourismus, aufbringen, weshalb er noch mehr atmosphärische Arbeit für die Touristen leisten müsse. Dass es dabei ausschließlich um den Wirtschaftsstandort geht, hatte dieser schon mehrmals deutlich gemacht. Die Wirtschaft hingegen reibt sich bereits lange vor dem großen Ereignis die Hände. Einer Umfrage im kürzlich gegründeten Management-Club-Oberösterreich zufolge, rechnen 57 Prozent der Manager mit starken Impulsen für die Wirtschaft. Der Intendant lässt auch keine Gelegenheit aus zu betonen, dass Kulturhauptstadt mehr sei als Kunst, was übersetzt heißt, dass KünstlerInnen sich warm anziehen werden müssen. KritikerInnen ohnehin. Europäische Kulturhauptstadt ist ein Projekt der Standortpolitik, das wird immer deutlicher klar gemacht. Die Ausschaltung von möglichen (künstlerischen) Oppositionen gehört genauso zur Standortpolitik, wie das Unterlaufen von sozialen Standards, sowie die Entfachung eines degoutanten Sicherheits-Diskurses.
Das Linz noch vor dem Großereignis ordentlich gesäubert werden muss versteht sich von selbst. Touristen wollen in saubere und sichere Städte reisen, sie wollen nur in sauberen und sicheren Städten Geld ausgeben und sie wollen keinesfalls an das Elend erinnert werden, die Stadt soll sich als Ort des Kapitals und des Konsums präsentieren. Die Drecksarbeit müssen andere leisten und die tun es gerne. Der schmisszerfurchte Linzer FP-Obmann Wimmer plärrt es bei jeder Gelegenheit heraus: Im Sinne der Sicherheit müsse man Punks und Drogenhändler beseitigen. Ja, beseitigen. Arme, Obdachlose und Alte werden die nächsten sein. Die Rundschau stachelt die Bevölkerung mittels Umfragen gegen den Dreck in der Stadt auf, wobei keineswegs nur weggeworfene Papierl gemeint sind. Eine Allianz aus Geschäftsleuten, Behörden und rechtsradikalen Politiker bereiten den Tourismusstandort auf, den sich die Linz 09 Macher wünschen.