KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Abschied vom Kapitalismus?

Von Wolf Jurjans (7.4.2009)

Mehrheit will neues System
Einem Artikel der “Presse” ist zu entnehmen, dass 70 Prozent eine “grundlegende Änderung” der Wirtschafts-Ordnung wollen. In Zeiten der Wirtschaftskrise erleben Kritiker der Marktwirtschaft regen Zulauf, was auf Antiglobalisierungs Demonstrationen in Wien und zahlreichen Hauptstädten Europas auch zu sehen war.
Sogar in Österreich heizt sich die Stimmung an: Hierzulande halten nur noch 20 Prozent den Kapitalismus für eine “eher sympathische” Wirtschaftsform. Dagegen ist er für eine breite Mehrheit von 76 Prozent “eher unsympathisch”, so das Ergebnis einer Umfrage von GfK Austria.
Ungleich umfangreicher ist eine Erhebung der britischen Rundfunkanstalt BBC. In ihrem Auftrag untersuchten Meinungsforscher die Einstellung zum ökonomischen System in 24 Ländern, darunter in 15 Teilnehmer­ländern des G20-Gipfels in London. Das Gesamtergebnis vorweg: 70 Prozent aller Befragten sind der Meinung, es seien “grundlegende Änderungen” der Weltwirtschaf­tsordnung nötig. 68 Prozent sehen diese Notwendigkeit zugleich auch in ihrem eigenen Land. Und 62 Prozent geben an, dass die Wirtschaftskrise sie “spürbar” bis “schwerwiegend” getroffen hätte.
Befragte in Entwicklungsländern spüren die Folgen der Situation am stärksten. So geben in Kenia 74 Prozent an, die Krise hätte sie “schwerwiegend getroffen”, in Ägypten sind es 64 und auf den Philippinen 55 Prozent.
Die größte Bereitschaft zu fundamentalen Reformen des Wirtschaftssystems findet sich in einem EU-Land: 92 Prozent der Portugiesen stimmten für “grundlegende Änderungen”, gefolgt von den Philippinen 88 und Spanien 84 Prozent.
In Japan und Indien ist der Ruf nach Veränderung mit 39 Prozent am leisesten. Frankreich ist mit seiner Reformbereitschaft von 83 Prozent unter den Ersten, trotzdem gibt eine Mehrheit von 54 Prozent an, von der Krise kaum betroffen zu sein. In Deutschland verstärkt sich das Bild: 66 Prozent fühlen keine Auswirkungen, trotzdem sind rund 70 Prozent für Reformen. Ganz anders die Situation in den USA: Hier zeigen sich 58 Prozent von der Krise persönlich betroffen, 67 Prozent wollen weltweite wirtschaftliche Veränderungen und 75 Prozent wünschen Reformen im eigenen Land. Ungeachtet einer aufkommenden Massenarbeitslo­sigkeit steht Russland bei der Bereitschaft zu wirtschaftlichen Veränderungen an viertletzter Stelle.

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