KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Ein Universum der Frauen, wenn auch nur sechs Tage lang

Von Hanna Gerber (10.4.2009)

Vor wenigen Stunden fand es statt, das Eröffnungsplenum des lange vorbereiteten gesamteuropäischen autonom-feministischen Frauen-Lesben-Treffens, das bis 14. April im Frauenzentrum in Wien über die Bühne geht. Die zunächst aus nur vier Frauen bestehende Organisatorin­nengruppe ist innerhalb eines Jahres auf beinahe 300 angewachsen, denn so viele Frauen aus insgesamt elf Ländern sind es, die an diesem Osterwochenende an dem Treffen in Wien teilnehmen.

Zu ihrem Engagement ermutigt und inspiriert wurde die Kleingruppe der vorbereitenden Frauen durch ein zu Jahreswechsel 2007/08 in Freiburg abgehaltenes erstes Frauen-Lesben-Treffen dieser Art, aber auch durch die beeindruckende Demonstration von 150.000 Frauen in Rom am 24. November 2007 anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen und – last but not least – durch das internationale Wen-Do-Frauen-Selbstverteidi­gungsnetzwerk.

Das dichte und anspruchsvolle Programm, das von den Teilnehmerinnen selbst in Form von Workshops, Filmscreenings, Länderaustauschges­prächen, politischen Aktionen und Ausstellungen gestaltet wird, beweist einmal mehr, dass die autonome Frauen-Lesben-Bewegung eine sehr lebendige ist. So manche Totgesagte leben eben länger. Auch für die Frauen-Lesben-Bewegung gilt ja, dass die Geschichte alles andere als zu Ende ist.

Vielmehr geht sie nach den neoliberalen Exzessen der letzten Jahrzehnte einem neuen Aufbruch entgegen. Und wie sagte unlängst eine Aktivistin eben dieser Bewegung, in Anspielung auf die besondere und vielschichtige Entfremdungs- und Unterdrückungssi­tuation von Frauen in patriarchalen Gesellschaften: Nur wenn die autonome Frauen-Lesben-Bewegung stark ist/wird, werden alle Frauen einen großen Schritt in Richtung eigene Befreiung machen. Das wird nicht durch Arbeit in politischen Parteien, auch nicht in linken, zu bewerkstelligen sein. Was natürlich ein Dilemma eröffnet. Was natürlich Fragen aufwirft.

Zweifellos haben selbstorganisierte politische Frauenzusammenhänge ihre Vorzüge, sind unbelasteter, freier, demokratischer in ihren Entscheidungsfin­dungsprozessen und in ihren Inhalten näher an den Erfahrungen der Betroffenen. Die Bezüge / Beziehungen zwischen den Frauen in autonomen und kämpferischen Zusammenhängen sind andere als in gemischten Kontexten, wo die Wahrnehmung von Frauen untereinander bzw. die Beziehungen zueinander durch Männer irritiert, wenn nicht bestimmt werden.

Wo also sonst als in der autonomen Frauen-Lesben-Bewegung kann frau „feministische FrauenLesben aus verschiedenen Ländern kennenlernen, die sich in unterschiedlichen Kämpfen gegen Sexismus, Rassismus, Homophobie, Kapitalismus, Faschismus, Patriarchat bewegen, …sich zu radikal-feministischer Theorie und Praxis austauschen und gemeinsam Perspektiven und Handlungsmöglichke­iten diskutieren, …. in Workshops ihre praktischen Fähigkeiten erweitern und Aktionen vor Ort setzen“, wie es der Einladungstext zu dem in Wien stattfindenden Treffen verspricht?

Ein Blick auf das Programm lässt vermuten, dass die Erwartungen nicht enttäuscht werden: Eine Bandbreite von Themen wird behandelt, angefangen vom feministischen antifaschistischen Gedenken in Europa über die Frage danach, was feministische Bildung in Zeiten der Gender-Mania sein kann bis zu der Situation lesbischer Frauen im Iran oder den Befreiungskämpfen kurdischer Frauen. Pionierinnen der Frauen-Lesben-Bewegung wie Anke Schäfer kommen in einem filmischen Rückblick auf ihr Leben zu Wort ebenso wie lesbisch-feministische Friedensaktivis­tinnen in Israel. Mit besetzten Frauenkörpern beschäftigt sich eine Ausstellung usw. Vollständige Angaben zum Programm findet frau unter: http://feministgathering.wolfsmutter.com

Ein weiterer Höhepunkt ist sicherlich die Demonstration am Ostersonntag gegen Klerikalfaschisten, die Väterrechtsbewegung und Neoliberalismus und Krieg.

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