KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Ist Volksverhetzung strafbar?

Von Bärbel Mende-Danneberg (19.9.2009)

Nach der gelben: die graue Gefahr

Schlagt sie doch tot, diese zahnlosen Alten mit ihren „maßlosen Forderungen“, die eine „graue Gefahr“ für den Wohlstandsstaat sind; schafft sie einfach beiseite, diese „Gerontokratie“ mit ihren „kleptomanischen Zügen“, die „pflegebedürftige Mindestpensionistin mit Hund“ und den „rüstigen Rentner mit ausschließlicher Tagesfreizeit“. Sie alle leben „zulasten der Jungen“. Schlagt sie doch ganz einfach tot.

Die Zitate, die dem „profil“-Schwerpunktthema „Die graue Gefahr“ (Nr.35/09) entnommen sind, geben anschaulich die Stimmung wieder, die es medial zu erzeugen gilt, um hegemoniale Meinung zu werden. Man könnte es auch als Einübung auf den großen Kassasturz bezeichnen, der infolge des Milliardendesasters der Banken die staatlichen Geldeintreiber auf den Plan ruft. Denn was oben unter dem Titel „Bankenrettung“ hineingepumpt wurde, muss unten, in diesem Fall bei den PensionistInnen, unter dem Titel „Alt, aber gierig“ („profil“) wieder abgesaugt werden. „Eine maßlose Kaste von Frühpensionisten und Langzeitrentnern bricht am Höhepunkt der Wirtschaftskrise den Generationenvertrag und stiehlt der Jugend die Zukunft“, hetzt „profil“ Jung gegen Alt auf. Die AutorInnen Gernot Bauer und Eva Linsinger scheuen vor keinem noch so abscheulichen Klischee über den „Lebensabend der Golden Girls und Boys“ zurück, unterstützt durch Bilder von faltigen, zerfurchten Altenkörpern und der Zahnprothese im Wasserglas mit Vampirzähnen am Cover.

Wieso gibt es keinen Aufschrei gegen diese Art von Hetzpropaganda gegen alte Menschen? Ich habe urlaubsbedingt diese Geschichte erst jetzt wahrgenommen, aber wie steht es um unsere gesellschaftliche, politische und mediale Ethik, wenn ungestraft ein menschenverachten­des Bild gezeichnet werden darf, über dessen Auswirkungen heuchlerisch geklagt wird: alter Frau die Handtasche geklaut, Rentner vor die U-Bahn gestoßen, Pflegebedürftige im Heim misshandelt, Pensionistin unbemerkt von Nachbarn in Wohnung verhungert – wir kennen ja die Schlagzeilen.

Was mich unabhängig von der Brutalität der Sprache besonders empört ist die Tatsache, dass ganz offensichtlich gezielt an der Wirklichkeit der meisten alten Menschen in diesem Land vorbeigeschrieben wird: Altersarmut, soziales Elend, Einsamkeit oder Hilfsbedürftigkeit sind keine Themen. Dabei wissen wir doch aus etlichen Untersuchungen und Statistiken: „Insbesondere alleinlebende Pensionistinnen haben mit 25% ein sehr hohes Armutsrisiko“ („Frauen und Männer in Österreich“, Bundeskanzleram­t/Frauen). Und wir wissen, dass ohne das vom Mund der Oma Abgesparte für viele Enkel ein Studium, die Ausbildung oder auch das Überleben in prekären Verhältnissen nicht möglich wäre. Und letztlich wissen wir auch, dass „die gierigen Alten“ ehrenamtlich tätig sind und unentgeltlich Pflegedienste an Angehörigen verrichten.

Was soll also diese Hetze? – Ja richtig, was oben reinfließt, muss unten rausgeholt werden.

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