
Von Manfred Bauer (10.11.2009)
Eigentlich hätte er US-Soldaten helfen sollen, ihre traumatischen Kriegserlebnisse zu verarbeiten, doch scheint er selbst ein Opfer der imperialistischen Gewalt geworden zu sein, die von den US-Streitkräften in globalem Ausmaß ausgeht.
Die bisherigen Spekulationen über die Hintergründe der Tat Mobbing durch KollegInnen, der unerfüllte Wunsch, die Armee zu verlassen, seine Furcht vor der Entsendung in Kampfgebiete oder die vermeintliche Mitgliedschaft in einer islamistisch-terroristischen Zelle suggerieren jedenfalls, dass es sich um einen tragischen Einzelfall handeln soll. Quasi ein Kollateralschaden an der Heimatfront, der perfekt ins Konzept der politisch-militärischen Administration passt. Verschleiert dieses Vokabel, das seit der NATO-Aggression gegen Serbien in die militärische und damit mediale Rhetorik Aufnahme fand, doch, dass es auf Stützpunkten der US-Army immer wieder zu Schießereien mit tödlichem Ausgang kommt. In den letzten Monaten gab es allein drei Fälle mit mehr als zehn Toten.
Auch dieser Amoklauf war also kein singuläres Ereignis, er weist nur darauf hin, dass Militärterror und die Gewalt an fernen Fronten als Gewalt immer wieder auch an die Heimatfront zurückkehren. Kein Einzelfall also, sondern eine systemimmanente Gewaltspirale, die sich immer schneller dreht.
Da passt es ins schaurige Bild, dass die NATO kürzlich sieben afghanische Soldaten und Polizisten bei einem Luftangriff auf Taliban-Truppen aus Versehen getötet hat. Kollateralschaden heißt es bei der NATO-Truppe ISAF, wenn eigene Soldaten oder hunderte Zivilisten einem NATO Angriff aus Versehen zum Opfer fallen.
Kollateralschaden? Nein! Sondern kalkulierte Gewalt, die immer neue Gewalt erzeugt.