„Neue Männer braucht das Land“, sang Ina Deter einstmals, als die Neue Frauenbewegung selbstbewusst ihre Interessen artikulierte. Heute haben wir sie – die neuen Männer, die Vaterschaftsprozesse führen, sich als Opfer der Emanzipation sehen und die, vor allem, an die Frauenfördertöpfe ranwollen.
Kürzlich im Flieger von Berlin nach Wien traute ich meinen Augen nicht, als ich ein einem dieser deutschen Magazine las: „Im Zweifel gegen den Mann – ist die Gleichberechtigung noch gerecht?“ Die Zeitschrift „Focus“ (38/09) hatte sich auf das neue Modethema geschmissen, das seit einiger Zeit die deutschen Medien beherrscht und die Männer als die wahren Benachteiligten dieser Gesellschaft ausmacht. „Focus“ prangert an, dass Frauen die Männer im Bildungsbereich überholt und in der Arbeitswelt abgehängt hätten, dass die Alpha-Mädchen fast überall ungehindert durchmarschieren und es dem neuen Feminismus vor allem um Macht, Geltung und Geld geht. Durch Gender-Mainstreaming würden Frauen den weiblichen Opfer- bzw. Benachteiligungsstatus strategisch besetzt halten wie ein lukratives Ölfeld.
Die „neue Männlichkeit“ zeigt zunehmend Kampfbereitschaft für ihr phallokratisches Denken und Tun nach alten Mustern. Männer wenden sich wegen Benachteiligung aufgrund des Geschlechts (z. B. billigere Eintrittspreise für Frauen auf Fußballplätzen) an die Gleichbehandlungskommission, „neue Väter“ setzen mit Prozessen ihre Macht über Frau und Kind gnadenlos durch, Vaterrechtler erwirken mit Klagen die Herabsetzung der Alimentationszahlungen, und „neue Machos“ gehen in die Offensive in der Arbeitswelt, wenn es um „Macht, Geltung und Geld“ geht. Hier hört sich die Spaßgesellschaft auf.
Die Realität sieht für die meisten Frauen jedoch anders aus. Der weibliche Alltag nach einer Scheidung heißt oft Armut, Dreifachbelastung, schlechte Bezahlung, prekäre Arbeitsverhältnisse, später geringe Pension – und dazu meist die Alleinverantwortung für die täglichen Bedürfnisse der Kinder. Unzählige Studien sprechen vom harten Leben der Alleinerzieherinnen und von der weiblichen Benachteiligung in Beruf und Gesellschaft trotz besser Schul- und Bildungsergebnisse.
Es geht im Zeichen der Wirtschaftskrise um Territorialkämpfe. Konkret um Frauenförderpläne, Gleichbehandlungsinitiativen, geförderte Fraueninitiativen und die finanziellen Mittel, die dafür zur Verfügung gestellt werden. Diese Fördertöpfe würden, so die männliche Logik, den Männern zustehen, denn sie sind die wahren Benachteiligten. Eine Männerbewegung, in den 70er Jahren als Selbsthilfe und Therapie im linken Bereich entstanden, um sensibilisiert zu werden für die Geschlechterproblematik, ortet ihren Standort immer öfter weit rechts bis rechtsradikal. Und sie hat Zulauf (siehe dazu auch „an.schläge“, 10/09).
Dass etwa in Vorarlberg und Oberösterreich die männerbündische FPÖ besonders bei jungen, männlichen Wählern punkten konnte, macht deutlich, wie stark die männliche Sehnsucht nach Identifikation ist, nach (Mit-)Macht, verhaberter Masse und einem Männerbild, das sich verbal als starke Führerfigur aufspielt. Das war bisher das Erfolgsrezept der Burscherlpartie und sollte uns in aller geschichtlichen Hellhörigkeit warnen. Mit zunehmender sozialer Unsicherheit wird jedenfalls einem neuen Machokult ungenierten gehuldigt.
Siehe dazu auch die Oktober-Ausgabe der „Volksstimme“