
Von Wolf Jurjans (29.4.2009)
Josef Pröll sieht die Stabilität des Landes in Gefahr. Was ist geschehen?
Hat ÖGB Chef Fogler, wie der DGB-Chef Michael Sommer vor sozialen Unruhen in
Österreich als Folge der beispiellosen Wirtschaftskrise gewarnt? Und
ungeschminkt prophezeit: Sollte es angesichts der Krise zu Massenentlassungen
kommen, wäre dies eine Kampfansage an die Belegschaften und die Gewerkschaften.
Dann könne er soziale Unruhen auch in Österreich nicht mehr ausschließen"?
Hat die KPÖ, wie der Bundestagskandidat der Linken in Nordrhein-Westfalen
Andrej Hunko, gemeint: Nichts sei jetzt schlechter als „soziale
Friedhofsruhe“ und als Beispiel die gelungenen Massenproteste in Island und
Frankreich genannt und am Beispiel Island gezeigt, dass kontinuierliche Proteste
sogar zu einer neuen Regierung führen und so die politischen Verhältnisse im
Land ändern könnten? Und, dass das in Österreich nur durch soziale Unruhen
geschehen könne?
Oder hat viellleicht Bundespräsident Fischer, gleich der sozialdemokratischen
Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten Gesine Schwan (SPD), die Wut und
Empörung in Österreich aufgrund der Wirtschaftskrise angesprochen?
Mitnichten.
Alleine schon die Diskussion über eine Vermögenssteuer sieht der
Finanzminister als Gefahr für die Stabilität des Landes. Sie ist für ihn
schlicht ein Quatschsignal. Das zielt auf Enteignung. Das spielt es mit uns
sicher nicht, assistiert ÖVP-Finanzsprecher Günter Stummvoll.
Die Stabilität der Stadt Wien sieht Bürgermeister Häupl noch nicht in Gefahr,
die Unordnung geht ihm aber schon zu weit. Wien ist wie ein großes Haus. Es
funktioniert nur, wenn sich alle an die Hausordnung halten, lässt der
Hausherr mahnend plakatieren.
Für die ausländischen Mitarbeiter großer Konzerne kann dieser Wink mit dem
Zaunpfahl wohl nicht gedacht gewesen sein – diese entschieden sich bei einer
Befragung durch das internationale Beratungsunternehmen Mercer erstmals für
Wien als die Stadt mit der weltweit besten Lebensqualität – doch eher für
die BewohnerInnen der Keller- und Souterrainwohnungen des Wiener Hauses, das zu
laute Immigranten-Proletariat.
Die Frage nach Umverteilung und gleichen Rechten wird in den nächsten Monaten
wohl an Dynamik gewinnen. Eine produktive Unruhe, die nach neuen Formen des
Zusammenlebens- und wirtschaftens drängt, ist längst überfällig. Ob eine
verordnete Friedhofsruhe von den Menschen hingenommen wird, wird sich zeigen.
Wäre es so, wäre das tatsächlich beunruhigend.