
Von Wolf Jurjans (17.3.2009)
Ursprünglich hätte die Mindestsicherung mit Jahresbeginn in Kraft treten
sollen. Noch bei der Präsentation des Sozialberichts Ende Jänner hatte der
Sozialminister die Mindestsicherung für Herbst versprochen und angekündigt, er
werde sie auch ohne Kärnten umsetzen. Nun gilt das alles nicht mehr.
Hundstorfer hat nun eingestanden, nicht einmal das Zieldatum 1.1.2010 halten zu
können. Von einer Entsetzlichkeit auf Kosten der Ärmsten in unserem Land
sprach Caritas-Präsident Franz Küberl in einer Aussendung. Gerade vor dem
Hintergrund von Wirtschaftskrise, Teuerungen bei Lebensmitteln und Energie sowie
steigenden Arbeitslosenzahlen ist die Einführung der Mindestsicherung in
Wirklichkeit sofort nötig.
Die Verschiebung der Mindestsicherung sei, gerade in Zeiten der
Wirtschaftskrise, kein gutes Signal. Das ist ein weiterer Zeitverlust für jene
Menschen, die schon bisher am Rande unserer Gesellschaft gelebt haben und von
den beginnenden Auswirkungen der Wirtschaftskrise sowie den Nachwirkungen der
Teuerungswelle massiv betroffen sind. Gerade in schwierigen Zeiten ist es
wichtig, das System nach unten abzudichten, um nicht noch mehr Menschen in die
Armut abrutschen zu lassen, so Erich Fenninger, Geschäftsführer der
Volkshilfe Österreich.
Für die erneute Verschiebung auf 2011 oder 2012 sieht Gerfried Sperl im
Standard zwei Ursachen: Entweder ist die fehlende Zustimmung Kärntens ein
Kotau der Regierung (und wohl auch der SPÖ) vor dem BZÖ, oder sie ist eine
Ausrede. Wohl das: Rot-Schwarz wollen das notwendige Geld nicht investieren. Man
schiebt also den Saualmpolitikern die Schuld zu.
Es gibt jedoch banalere Ursachen, die den Zynismus der Regierenden
widerspiegeln. Rund 1 Million Armutsgefährdete zählt man in Österreich.
Überdurchschnittlich viele von ihnen wählen FPÖ oder gehen überhaupt nicht
zur Wahl. Also ist es für die beiden Koalitionsparteien politisch eher
unerheblich, ob sie die Wirtschaftskrise auf dem Buckel der Armen austragen oder
nicht.
Ähnliche Überlegungen dürfte es bei der notwendigen Erhöhung des
Arbeitslosengeldes geben!