Bild: http://www.deadlysins.info/Von Günther Hopfgartner (7.11.2009)
Ein riesiger globaler Industriekonzern gerät in die Krise, crasht weitgehend, woraufhin die gesamte politische Klasse einer der größten Industrienationen der Welt Habtacht steht, um den Verkauf der „heimischen“ Konzerntochter in einer von der veröffentlichten Meinung als „Rettung“ gepriesenen Aktion tatkräftig und vor allem mit einer kräftigen Finanzspritze aus Steuermitteln zu unterstützen, Gewerkschaft und Betriebsrat zeigen sich dem potentiellen neuen Herren des Unternehmens gegenüber äußerst willfährig und die Belegschaft verzichtet auf erworbene Rechte und Teile ihres Lohns.
Und plötzlich nützt das alles nichts!?!
Der General Motors-Vorstand hat sich nämlich offensichtlich ausgerechnet, dass unter den von der Krise geschaffenen Bedingungen in Aussicht gestellte staatliche Finanzspritzen, willfährige ProvinzpolitikerInnen und Gewerkschaften sowie äußerst kompromissbereite Belegschaften der Profit, der aus einem solcherart sanierten Betrieb zu pressen wäre, den Wert der Verkaufssumme übersteigen könnte und stellt nun den Anspruch, die staatlich und von Belegschaftsseite finanzierte Sanierung unter eigener Regie durchzuziehen.
Das wiederum sorgt bei den Betroffenen (Belegschaften, Gewerkschaften, PolitikerInnen ) in Deutschland für ordentlich Empörung. Und während die ArbeiterInnen und ihre Betriebsräte langsam erkennen und auch schon mal artikulieren, dass sie „verarscht“ wurden, bemüht sich die politische Klasse darum, dass die Belegschaften und die interessierte Öffentlichkeit wiederum nicht erkennen, dass das im Kapitalismus nun einmal business as usual ist und packen zur Verschleierung dieser Tatsache die Nationalkeule aus: „Die Amerikaner dürfen nicht glauben, dass sie Deutschland in irgend einer Form erpressen können“, bellt etwa der CDU-Fraktionschef im deutschen Bundestag, Volker Kauder, in die Mikrofone der versammelten Pressemeute.
DIE Amerikaner glauben derartiges in ihrer Mehrheit wohl auch gar nicht, der GM-Vorstand dagegen weiß, dass UnternehmerInnen, InvestorInnen etc. ebendas aber sehr wohl können und auch tun. Wie sonst, sind etwa die auserkorenen neuen (Fast-)Eigentümer von Opel zu ihren versprochenen Finanzspritzen und Zugeständnissen von seiten der Belegschaftsvertreter gekommen?
Für die Opel-MitarbeiterInnen bleibt dennoch die Erfahrung, dass Wohlverhalten gegenüber „dem Kapital“ keineswegs zwangsläufig zu Arbeitsplatzsicherheit oder gar Vergünstigungen führt, weshalb sie wohl recht bald schon aufhören werden, dem geplatzten Magna-Deal nachzutrauern.
Ein Ausweg aus der Misere? Es den österreichischen Studierenden gleichzutun und unter den Rufen „Wessen Fabrik? Unsere Fabrik!“ die Opel-Werke zu besetzen und den Laden zu übernehmen!