
Von Wolf-Götz Jurjans (20.3.2010)
LH Hans Niessl hat das bemerkt und ist gleich auf Distanz zu ihr gegangen. Die Mindestsicherung müsse ein Sprungbrett in die Beschäftigung sein. Jene die berufstätig sind, müssen ein entsprechendes Einkommen beziehen im Vergleich zu jenen, die nicht arbeiten. Nach einem Treffen mit der burgenländischen Gewerkschaftern fühlte er sich bestätigt. Der Grundtenor der Kollegen war: Wir leisten was, das muss sich lohnen. Kritisch gegenüber der Mindestsicherung sind jene ArbeiterInnen, die 1000 bis 1200 Euro brutto im Monat verdienen. Das sind nicht wenige. Im Gastgewerbe verdient der größte Teil der Vollzeitbeschäftigten nicht mehr als 970 Euro im Monat.
Gut dass es so einen Landesvater gibt, der die Sorgen der ArbeiterInnen ernst nimmt, könnte man sagen.
Man kann aber auch sagen: Dieser Niessl ist als Sozialdemokrat außer Stande, Werktätigen einfachste wirtschaftliche Zusammenhänge zu erklären.
Er hätte fragen können: Glaubt ihr, euer Lohn wird steigen, wenn keine Mindestsicherung kommt? Sicher nicht.
Wenn eine hohe Mindestsicherung kommt, werdet ihr nicht mehr arbeiten wollen, weil ihr ja dann in der Hängematte liegen und nicht mehr in die Hotels und zum Billa gehen würdet. Glaubt ihr, die Hoteliers und Billa würden dann nach China auswandern?
Wohl kaum. Können sie ohne eure Arbeit, die sich ja lohnen soll, einen Gast zufriedenstellen
oder eine krumme Gurke verkaufen? Nein, sagt der Hausverstand. Was werden die Unternehmer dann machen?
Vielleicht höhere Löhne zahlen? Mit Sicherheit, weil ihr Gewinn noch immer genug sein wird.
Und wenn sie sagen, sie können dann im Wettbewerb nicht mehr mithalten, dann werdet ihr schallend lachen.
Hätte ja der Sozialdemokrat Niessl sagen können.
Das hätte ja dann auch noch allen Wir sind (auch) SPÖlern zu schlaflosen Nächte und revolutionären Wallungen verholfen.
Und vielleicht hätte sogar einer von der roten Basis gesagt: Denken muss sich wieder lohnen.
Wäre ganz witzig gewesen.
War aber nicht.
Was bleibt ist ein müder Lacher, der einem in der Kehle stecken bleibt.
Ich denke, dass ich mit meiner Meinung in guter Gesellschaft mit ehemaligen sozialistischen Arbeiterführern bin, wenn ich sage: Niessl ist ein Witz.