KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Eine (noch?) nicht gehaltene Rede

Von Doris Schlager (15.4.2010)

Wir KommunistInnen tun uns ja gerade schwer mit dieser ArbeiterInnenklasse. Vor allem mit den jungen Männern. Mit den Geschlagenen, die jetzt zurückschlagen wollen. Die, die so gar keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt haben, rennen jetzt dem Strache hinterher. Das sind die gleichen, die in den Medien abfällig Modernisierungsverlierer genannt werden.

Sie tun sich schwer auf dem Arbeitsmarkt, diese verhinderten Industriearbeiter. In den Fabriken erledigen heute immer mehr die Maschinen ihre Arbeit. Wo es bis vor kurzem noch zehn von ihnen gebraucht hat, braucht es heute nur mehr einen. Verlierer wollen sie nicht sein. Verlierer, bitte schön, sind die Anderen.

Und die Anderen sind außerdem schuld, denn schuld sind immer die unten. Schuldige Verlierer sozusagen sind das, diese Ausländer, diese Juden, diese Islamisten, diese Asylanten. Und auch die jungen Türken finden noch wen, der noch weiter unten steht, dem es noch schlechter geht als ihnen selber.

Jeder findet seine schuldigen Verlierer, und die werden immer mehr. Die jungen Arbeiter fühlen sich fremd und ohnmächtig und allein, wo sie doch daheim sein sollten. Denn es gibt immer mehr junge Arbeiter, die für sich keinen Platz mehr finden können. Nur kann man die nicht mehr so leicht als die Eigenen erkennen. Den Blaumantel gibts schon lange nicht mehr und die Hautfarben reichen von ganz hell bis ganz dunkel. Sie erbringen immer öfter Dienstleistungen statt Maschinen zu bedienen. Sie teilen Prospekte aus, arbeiten als Security und transportieren Waren in alle Winkel des Landes und sind immer häufiger arbeitslos. Manchmal sind es sogar Frauen.

Aber so richtige Arbeiter sind die Frauen ja nicht. Selbst wenn sie erwerbsarbeiten, suchen sie meistens einen Job außerhalb der Fabrik. Sie putzen, kochen, hüten Kinder und pflegen Alte und versuchen damit ganze Familien über die Runden zu bringen. Nicht immer, aber immer öfter sind dies Teilzeitsjobs. Da funktioniert das nicht so gut mit dem “über-die-Runden-bringen”, da müssen es mehrere Teilzeitjobs sein. Typische working-poor halt, denn Armut ist fast immer weiblich.

Typische Frauenjobs will ein rechter Mann, ein rechter Arbeiter nicht machen. Das würde ja an der männlichen Ehre kratzen. Und die männliche Ehre ist wichtig. So besonders viel Würde hat ja so ein verhinderter Industriearbeiter nicht mehr. Also, was bleibt dann noch, wenn ER nicht mehr auf Frauen herabschauen kann?

Manche – vorzugsweise SozialdemokratInnen – behaupten ja gerne, die Arbeitslosen seien arbeitslos, weil es ihnen an Bildung mangele. Das ist natürlich Blödsinn. Auch die 65. Bildungsof­fensive hilft nicht dagegen, dass jetzt Maschinen statt Menschen in den Fabriken arbeiten.

Die Gefährdung der Arbeitsplätze liegt an den enormen Produktivitätsste­igerungen, die weltweit stattgefunden haben. Und in den reichen und entwickelten Ländern, wie z.B. Österreich, sind diese Produktionsste­igerungen noch ganz besonders hoch. Das wissen die jungen Arbeiter nicht. Es sagt ihnen ja auch keiner, am allerwenigsten ihr heißgeliebter Strache.

Aber eines durchschauen sie schon, auch der dritte “Wie bewerbe ich mich richtig”-AMS-Kurs wird nicht helfen. Sie sind ja nicht blöd. Sie wissen das, weil die mit der höheren Schulbildung suchen inzwischen dieselben Jobs wie sie. Und es gibt sowenig Lehrstellen, da braucht einer schon die Matura, um noch eine zu ergattern. Und wenn alle Matura haben, sind es ja auch nicht mehr Lehrstellen.

Am Arbeitsmarkt findet ein Verdrängungswet­tbewerb nach unten statt. Der typische junge Arbeiter, der jetzt mehrheitlich Strache wählt, hechelt immer hinterher. Aber nicht genug mit der Konkurrenz von oben innerhalb der ArbeiterInnen­schaft, sondern auch von unten wird um die wenigen Arbeitsplätze gebalgt.

Die MigrantInnen müssen sich, je rechtloser sie sind, je unsicherer ihr Status ist, umso billiger verkaufen. Je dunkler die Hautfarbe, desto sicherer finden sich die Menschen in den miesesten Jobs wieder. Je dunkler die Hautfarbe, desto weniger hat die Bezahlung mit der Qualifikation oder der Bildung zu tun. Je mehr MigrantInnen zuziehen, desto ärger wird der Konkurrenzkampf auch unter ihnen selber.

Was kann den Unternehmen besseres passieren, als dass sich die Kluft zwischen Arbeit-Habenden und Arbeit-Suchenden noch weiter auftut. Der für die kapitalistische Ausbeutergese­llschaft so erfreuliche Konkurrenzkampf unter den ArbeiterInnen garantiert zusätzliche Gewinne. Politik und Medien machen die Drecksarbeit.

Lassen wir diese Entwicklung nicht zu: Erheben wir gemeinsam die Stimme gegen Rassismus und Rechtsextremismus, die nur dem Kapital nützen.

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