KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Den Schlusspfiff nicht gehört.

Von Günther Hopfgartner (9.6.2011)

Wenn diesem unserem Land Unrecht geschieht, dann aber so richtig. Wie zum Beispiel dieser Tage gleich im Doppelpack: Während nämlich Constantinis elf Helden im tragischen Ringen mit dem Erzrivalen ungerechterweise ein zweites Cordoba versagt bleibt, zerstören ausgerechnet „die Türken" brutalstmöglich alle Zukunftspläne unserer ewigen Polit-Hoffnung Ursula Plassnik. Die darf jetzt nicht OECD-Generalsekretärin werden, weil Ankara offensichtlich über ein intaktes politisches Langzeitgedächtnis verfügt und Plassnik auch Jahre später noch ihre damalig erbärmliche Performance beim rechtspopulis­tischen Schulterschluss gegen einen EU-Beitritt der Türkei nicht verzeihen will. „Rache-Diplomatie“ nennt sowas unsere Ex-Außenministerin, will allerdings, wie auch allzulang schon der Constantini, den „Schlusspfiff“ in diesem Match "noch nicht gehört“ haben.

Interessant ist zudem, wie „nachdrücklich“ der Nachfolger im Außenamt, Michael Spindelegger, für „unsere“ Kandidatin kämpft: Das eine, die Anti-Türkei-Haltung Plassniks als Außenministerin, hätte mit dem anderen, die Berufung eben dieser Person an die Spitze der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – deren Gründungsmitglied die Türkei ist –, aber schon gar nichts zu tun, tönt es aus dem Ministerium.

Was Spindelegger aber ganz offensichtlich nicht sagen will – wie im übrigen auch die patriotische Front der hiesigen Presse nicht – ist, welche herausragenden Fähigkeiten Ursula Plassnik eigentlich für dieses Amt qualifizieren würden? – Kann er nicht. Hat sie nämlich keine vorzuweisen. Außer man meint die allgemeine Qualifikation österreichischer Spitzenpoliti­kerInnen, die ihre Frühpension mit internationalen „Top-Jobs“ aufbessern: Sie gelten als genauso inkompetent und unglaubwürdig wie andere auch, haben aber den Vorteil, dass sie üblicherweise nur spielen wollen und nicht beissen. Schließlich verfügen sie in der Regel über keinerlei Hausmacht im europäischen Betrieb, seit sich Österreich den Luxus einer eigenständigen, über den Tellerrand blickenden und halbwegs solidarischen Außenpolitik/Di­plomatie nicht (mehr) leistet.

Spätestens seit Wolfgang Schüssels segensreichem Wirken im Außenministerium gilt die österreichische Diplomatie international nämlich als Lachnummer, bestenfalls geeignet dem Berliner Außenamt die Akten nach zu tragen – und wenn man das heimische Polit-Personal und ihr innenpolitisches Wirken genauer betrachtet, dann ist diese Einschätzung durchaus stimmig.

Plassnik will aber von Ankara trotzig „eine sachliche Begründung“ für das türkische Veto gegen sie. Besser nicht! Was, wenn die Türkei alle diplomatischen Gepflogenheiten beiseite lässt und die ungeschminkte Wahrheit offenbart? Dass sich nämlich österreichische PolitikerInnen seit Jahren schon maximal für die Portiersloge diverser internationaler Organisationen qualifizieren und nur deshalb immer wieder mal in die Beletage einziehen dürfen, weil es den Altvorderen der politischen Klasse der EU und ihren Partnern aus Wirtschaft und Generalität egal ist, wer unter ihnen regiert – solange das entsprechende Personal keine Umstände macht.

Wegen so einer – sachlichen – Begründung wären dann auch wieder alle beleidigt – wie der Constantini, wenn ihm bei der Pressekonferenz wieder einmal keiner den Trainer von internationalem Rang abnehmen will. (Gegen dessen Zukunfts-Plan, die EM-Qualifikation, hat übrigens bezeichnenderweise auch die Türkei ein Veto eingelegt.)

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