KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Von Geistern und Gespenstern

Von Samuel Edelstein (13.7.2011)

Man kann angesichts der Lage in Europa durchaus der Meinung sein, die Machtzirkel und Eliten in der EU sind von allen guten Geistern verlassen. Doch bei näherer Betrachtung entdeckt man durchaus Anzeichen für eine kollektive Besessenheit. Ein satirischer Kommentar.

Es gab Zeiten, da ging ein Gespenst um in Europa, das Gespenst des Kommunismus. Nicht, dass es dieses Gespenst nicht mehr geben würde, es steht nur derzeit etwas abseits und schüttelt den Kopf angesichts des Bildes, das sich ihm bietet.

Der neue Player auf der Bühne ist der Unternehmergeist. Er scheint von nahezu allen PolitikerInnen an der Spitze der Staaten und der EU dermaßen Besitz ergriffen zu haben, dass nur noch von ihm ferngesteuerte Sprechblasen ihre Münder verlassen. Im kollektiven Wahn marschieren sie lächelnd auf den Untergang des Systems zu und lächeln sogar noch dabei.

Eigentlich sollte der vatikanischen Spezialistentruppe für solche Fälle, der Inquisition, ihre jahrhundertelangen Erfahrungen im Austreiben böser Geister helfen, den neuen Dämon zu besiegen. Tut sie aber nicht. Liegt dies etwa an den traditionell supersauberen Spekulationsges­chäften der vatikanischen Banker? Oder an der Tatsache, daß man heutzutage in römischen Kirchen Eintritt zahlen muss, obwohl der Sozialrevoluzzer Jesus damals die Geldverleiher aus dem Tempel schmiss?

Egal. Von dieser Seite scheint keine Hilfe für einen wirksamen Exorzismus zu kommen.

Der Geist, der von den Eliten Besitz ergriffen hat, kommt mit einem Mehrstufenplan daher. Zuerst werden von Medien einzelne Länder und Ihre Probleme thematisiert. Dafür sind die Hohepriester der Märkte, die Ratingagenturen zuständig. Wenn die Aufregung dann gross genug ist, schickt er seine Spekulanten los, um diesen Staat anzugreifen. Sie sind so etwas wie die Bodentruppen in diesem veritablen Krieg um die grosse Umverteilung von unten nach oben. Innerhalb kurzer Zeit werden die Zinsen für die Schulden nach oben getrieben – schliesslich sind zehn Prozent besser als fünf Prozent. Der Milliardär von nebenan freut sich drüber, und kauft gnädig die Papiere auf, nicht ohne dafür auch noch die Huldigungen der europäischen Finanzminister entgegen zu nehmen.

Dann kommt die nächste Phase: Der Unternehmergeist fährt in die gewählten VolksvertreterInnen des angegriffenen Landes. Mit glasigen, aber entschlossenen Blicken diskutieren sie ein wenig herum, während draussen auf der Strasse diese dummen WählerInnen nicht verstehen wollen, dass man sie gerade rettet. In dieser Phase des Ablaufs hat sich das altbekannte Rezept bewährt, die aufmüpfigen BürgerInnen mittels Reizgas, Schlagstock und Wasserwerfer auseinander zu treiben. Dann kommt der grosse Wurf: Die VolksvetreterInnen zucken ekstatisch und sprechen vom „alternativlosen Sparzwang“.

Einmütig beschließt man die Kürzung der Pensionen, der Gehälter und der Sozialausgaben, die Verramschung des Staatseigentums. Am besten an Freunde, die ebenfalls vom Unternehmergeist besessen sind – so kann man sogar noch ein bisserl mitnaschen am grossen Kuchen. Das Werk scheint vorerst vollendet, mit dem Ergebnis, dass die Reichen reicher und die Bürger draussen ärmer geworden sind. Doch weit gefehlt – der Geist zieht einfach ein Land weiter und beginnt sein Spiel von neuem.

So geschehen diese Woche in unserem südlichen Nachbarland. Da trifft es sich doch hervorragend, wenn der Ministerpräsident des angegriffenen Landes auch noch gleichzeitig Grosskapitalist, Mafiosi und Geheimlogenbruder ist. Da greift für den Unternehmergeist eins ins andere.

Man kann die BürgerInnen durch Dauerpropagande der eigenen Fernsehkanäle von jeglichem Widerstandswillen befreien, die Schwarzgelder der Mafiosi in Versorgunsbetriebe investieren und überdies von diesen linkslinken, kommunistischen Staatsanwälten ablenken, die immer noch nicht verstehen, daß Sex mit dutzenden minderjährigen Prostituierten völlig in Ordnung ist.

Christoph Leitl die Rolle des Aladdin zuzuweisen, der an der Lampe rieb und damit den Unternehmergeist aus der Flasche liess, wäre zuviel der Ehre für den schwarzen Multifunktionär. Er ist maximal ein regional bekannter Ministrant. Aber sein Mantra „Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut“, ist die Verösterreicherung der schärfsten Waffe im magischen Arsenal des Ungeists.

Denn während das Gespenst des Kommunismus damals Millionen mit seinen Visionen einer Welt mit freier Bildung, Arbeit, Wohnung, Sozialleistungen und gleichen Rechten für alle Menschen verzauberte, genügte dem Widersacher als simple Entgegnug sein bislang bester Zauberspruch: „Ihr werdet alle reich!“

Und obwohl sie es nicht geworden sind, träumen sie noch heute davon.

Dumm nur, daß der Unternehmergeist eines vergisst: Nichts im Universum wächst ewig, ohne irgendwann zusammenzubrechen. Und auf ebendiesen Moment wartet an der Seite das Gespenst des Kommunismus und dreht sich inzwischen eine Zigarette. Denn lange wird’s nicht mehr dauern …

Aktuelles:


KPÖ Oberösterreich: Jetzt Unterstützungserklärung unterschreiben!
(14.7.2021)

...mehr


Die Europäische Linke fordert einmal mehr das Ende der Blockade gegen Kuba
(13.7.2021)

...mehr


Die neue Juli Volksstimme 2021 ist da!
(13.7.2021)

...mehr


KPÖ Graz: Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für Graz
(10.7.2021)

...mehr


38. Parteitag der KPÖ: In der ältesten Partei Österreichs übernehmen Junge das Ruder
(21.6.2021)

...mehr

Volksstimme - Politik & Kultur - Zwischenrufe links