KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Wutbanker Treichl: Gerechtigkeit hat keinen Stellenwert.

Von Wolf Jurjans (18.5.2011)

Die Bankergagen schnellen wieder nach oben, als ob es kein Morgen gäbe und kein Gestern gegeben hätte.

So hat die Erste Group die Gagen der Aufsichtsräte verdoppelt. Die erste Reaktion war die heftige Kritik von Seiten kritischer Anleger, die von einem „unverschämten“ Antrag an die Aktionärsversam­mlung sprachen. Den Aufsichtsratsmit­gliedern zahlt die Bank für das Geschäftsjahr 2010 eine Vergütung von 700.000 Euro, im Jahr davor waren es 350.000 Euro gewesen. Das von Präsident Heinz Kessler verlesene Abstimmungsergebnis wurde im Saal mit „Pfuis“ und Buhrufen quittiert. Erste-Chef Treichl kassierte für 2010 dank eines wieder höheren Bonus eine Gage von 2,79 Mio. Euro, fast doppelt so viel wie im Krisenjahr davor. Er wisse, dass es angesichts leider hunderttausender Menschen, die an der Armutsgrenze lebten, viele als schrecklich und total ungerecht empfänden, wieviel Banker verdienten. Gerecht sei es auch nicht, dass der Rektor der Universität oder der Präsident des Verfassungsge­richtshof im Jahr verdienten, was er, Treichl, im Monat habe. Oder dass der beste Marathonläufer ein Hundertstel von dem erhalte, was der beste Golfspieler bekomme, oder dass Volksmusikstars ein Mehrfaches der besten Opernsängerinnen kassierten. Gerechtigkeit habe da keinen Stellenwert.

Die Folge: SPÖ und Opposition zerrissen die Bezügeerhöhung für die zwölf Kapitalvertreter in der Luft.

Freitagabend schlug Bankchef Andreas Treichl zurück. Bei einer Diskussion in Salzburg warf er den österreichischen Politikern in Zusammenhang mit Basel III und den neuen Unterlegungspflichten für Kredite vor, „zu blöd und zu feig“ zu sein, sie hätten „von der Wirtschaft keine Ahnung, um dagegenzuwirken, dass Österreich hinter andere Länder zurückfallen wird“. Der Zeitpunkt dieser Erhöhung sei freilich „nicht günstig gewesen, doch bei dem wirtschaftsfe­indlichen Klima, das unsere Politiker erzeugen, gibt es keinen günstigen Zeitpunkt“, glaubt der Banker, der seine Branche seit der Krise „pauschal verurteilt“ sieht.

Doch auch das Thema Bankensteuer hat wohl zum Unmut Treichls gegenüber der Politik beigetragen. Die Erste Group ortete auf Grund der Berechnungsformel der Steuer – die Erste erwartet jährliche Belastungen von 140 Millionen Euro – seit jeher Asymmetrien fürs eigene Haus. „Die Bankensteuer ist ein Problem der Banken, in erster Linie für die Erste Group, in zweiter Linie für die Raiffeisen Zentralbank und in dritter Linie für die Bank Austria“, betonte Treichl. Er fühlte sich durch das Vorgehen der Politik im vorigen Dezember extrem düpiert.

Eigentlich sollte meiner Meinung die Debatte über die berechtigte Wut und den fehlenden Mut von denjenigen geführt werden, die an oder unter der Armutsgrenze leben, denen von den sich verschlechternden sozialen Verhältnissen immer mehr Überlebenskraft abverlangt wird und für die die Gerechtigkeit einen existenziellen Stellenwert hat.

Aktuelles:


KPÖ Oberösterreich: Jetzt Unterstützungserklärung unterschreiben!
(14.7.2021)

...mehr


Die Europäische Linke fordert einmal mehr das Ende der Blockade gegen Kuba
(13.7.2021)

...mehr


Die neue Juli Volksstimme 2021 ist da!
(13.7.2021)

...mehr


KPÖ Graz: Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für Graz
(10.7.2021)

...mehr


38. Parteitag der KPÖ: In der ältesten Partei Österreichs übernehmen Junge das Ruder
(21.6.2021)

...mehr

Volksstimme - Politik & Kultur - Zwischenrufe links