KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

KPÖ für höhere Körperschaftssteuer

Von KPÖ-Pressedienst (20.8.2008)

Ein bezeichnendes Licht auf das österreichische Steuersystem wirft die Analyse der Arbeiterkammer über die Steuerleistung der 570 wichtigsten Kapitalgesellschaf­ten. Fast drei Viertel der Kapitalgesellschaf­ten liegen laut AK unter dem nominellen Steuersatz von 25 Prozent, 26 Prozent zahlen sogar nur weniger als zehn Prozent, Banken im Durchschnitt gar nur 7,4 Prozent.

Die wichtigsten Kapitalgesellschaf­ten steigerten von 2004 bis 2006 ihren Gewinn um 38 Prozent, während gleichzeitig ihre reale Steuerleistung von 21 auf 17,4 Prozent zurückging. Die an der Wiener Börse notierten ATX-Unternehmen erhöhten ihren Gewinn im selben Zeitraum sogar um 63 Prozent, ihre Steuerleistung sank hingegen von 21,5 auf 20,5 Prozent: „Das Gejammere der Unternehmer über angeblich unerträgliche Belastungen durch Steuern und Abgaben ist völlig unglaubwürdig, die damit verbundene Drohung mit Standortschli­eßungen oder –verlagerungen purer Zynismus“, meint KPÖ-Bundessprecher Mirko Messner.

Wenn der Finanzminister trotz Senkung von nominell 34 auf 25 Prozent 2005 mehr Körperschaftssteuer (KöSt) einnimmt als budgetiert, zeigt dies schlaglichtartig die reale Gewinnentwicklung der Unternehmen auf. Von 2005 bis 2007 stiegen die Einnahmen an Körperschaftssteuer von 4,4 auf 5,7 Milliarden E­uro:

Möglich ist die Senkung der realen Steuerleistung der Kapitalgesellschaf­ten durch Anlagen- und Sonderabschre­ibungen, niedrige Vorratsbewertung, hoher Ansatz von Schulden und Rückstellungen, Dividendenausschüttun­gen an Tochterfirmen, Verluste aus Vorjahren und steuerfreie Gewinne aus dem Verkauf ausländischer Beteiligungen. Seit 2005 können durch die Gruppenbesteuerung Gewinne und Verluste ab einer Beteiligung von 51 Prozent steuermindernd gegenverrechnet werden.

Mit der KöSt-Senkung agierte Österreich als ein Vorreiter des EU-Steuerdumpings: „Während die EU bei der Währungsstabilität rigorose Vorgaben macht, ist sie bei den Steuern nicht dazu imstande. Die neuen Mitgliedsländer mit Dumping-Steuersätzen erhalten als „Belohnung“ Zuschüsse auf Kosten der Nettozahler“, kritisiert Messner.

Aus der Sicht der Lohnabhängigen ist es völlig unakzeptabel, dass sie mit Lohnsteuer und Mehrwertsteuer immer mehr zum Steueraufkommen beitragen, während Gewinne und Vermögen zunehmend steuerfrei gestellt werden. Die KPÖ plädiert daher für eine Anhebung der Körperschaftssteuer bzw. deren Staffelung ähnlich der Lohn- und Einkommensteuer bis zum Spitzensteuersatz: „Wenn Unternehmen wie OMV, Erste Bank, Raiffeisen oder voestalpine Gewinne weit jenseits der Milliardengrenze macht ist es zumutbar, davon die Hälfte steuerlich abzuschöpfen“, so Messner und verweist darauf, dass derzeit die großen Kapitalgesellschaf­ten im Schnitt nur 17,2 Prozent, die kleinen und mittleren hingegen 24,3 Prozent Steuer zahlen.

Finanzminister aller Couleur haben sich einen fragwürdigen Ruhm für den Ruf Österreichs als Steuerparadies für Kapital und Vermögen erworben: Unter SPÖ-Finanzminister Ferdinand Lacina wurde die Kapitalverkeh­rssteuer und die Vermögenssteuer abgeschafft, der Spitzensteuersatz gesenkt und die steuerschonenden Privatstiftungen eingeführt. Unter FPÖ-Finanzminister Karl-Heinz Grasser wurde die Körperschaftssteuer gesenkt. Und unter ÖVP-Finanzminister Wilhelm Molterer wurde die Erbschafts- und Schenkungssteuer abgeschafft. Würde die Besteuerung in Österreich so hoch sei wie in Finnland, gäbe es seit 1997 ein Nulldefizit, bei einer Besteuerung wie in den Niederlanden gäbe es sogar einen Budgetüberschuss.

Aktuelles:


KPÖ Oberösterreich: Jetzt Unterstützungserklärung unterschreiben!
(14.7.2021)

...mehr


Die Europäische Linke fordert einmal mehr das Ende der Blockade gegen Kuba
(13.7.2021)

...mehr


Die neue Juli Volksstimme 2021 ist da!
(13.7.2021)

...mehr


KPÖ Graz: Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für Graz
(10.7.2021)

...mehr


38. Parteitag der KPÖ: In der ältesten Partei Österreichs übernehmen Junge das Ruder
(21.6.2021)

...mehr

Volksstimme - Politik & Kultur - Zwischenrufe links