
Von KPÖ-Pressedienst (15.10.2008)
Niemand leugnet den Ernst der Krise, die den kapitalistischen Finanzmarkt, einen Teil seiner Akteure und die übrige kapitalistische Wirtschaft durchlebt meint KPÖ-Wirtschaftssprecher Michael Graber: Das Finanzpaket über 100 Mrd. Euro, das die Regierung beschlossen hat, geht allerdings nach dem Motto vor, gehts den Banken gut, gehts den Menschen gut. Das ist nach allen Erfahrungen nicht nur der letzten Monate keineswegs der Fall.
In der Krise stellt sich für alle sichtbar heraus, dass die in den Kapitalsammelstellen konzentrierten Vermögenswerte vieler Millionen Menschen gesellschaftliche Mittel sind, die, wenn sie wie in der derzeitigen Kreditkrise der Gesellschaft entzogen werden, nur durch staatliche Interventionen verfügbar gemacht werden können.
Das ist ein wesentlicher Grund, warum die KPÖ für die Überführung der Bank-, Kredit- und Versicherungswirtschaft in öffentliches, gesellschaftliches Eigentum sind, um nachhaltige Veränderungen zu erzielen.
Die derzeitigen Ankündigungen von Verstaatlichungen oder Teilverstaatlichungen von Banken in den USA und in mehreren europäischen Ländern haben damit nichts zu tun. Sie sollen ja gerade nicht nachhaltigen Einfluss der Gesellschaft auf den dort konzentrierten gesellschaftlichen Reichtum ermöglichen, sondern das bisherige kapitalistische Finanz- und Wirtschaftsystem retten. Deshalb heißt es auch, es handele sich nur um temporäre Maßnahmen, die in die öffentliche Hand übernommenen Anteile, würden so rasch wie möglich wieder verhökert.
Wo hat man/frau jemals gehört, dass eine österreichische Regierung binnen weniger Tage 100 Mrd. Euro (1376 Mrd. Schilling) für gesellschaftlich dringende Aufgaben bereitgestellt hätte? Ist die Beseitigung der Arbeitslosigkeit z.B. keine solche dringende Aufgabe?, so Graber. Verräterisch ist die Schlagzeile der Krone: So hilft der Staat unseren Banken. Die Betonung liegt auf unseren. Uns gehört bekanntlich nichts davon und die Bank Austria und die Bawag wurden ja ins Ausland und an internationale Finanzgesellschaften verkauft.
Aber es soll die Menschen beruhigen, indem sie glauben gemacht werden, es werde uns geholfen. Jetzt kann sich jeder beruhigt beim AMS anstellen, beruhigt seine Sozialhilfe beziehen, beruhigt seiner Bank die Schulden abstottern, beruhigt die erhöhten Mieten zahlen oder Mietbeihilfe oder Heizkostenzuschuss beziehen, kurz sich beruhigt dem kapitalistischen Alltag widmen und froh sein, dass die Apokalypse bisher nicht eingetreten ist.
Bis es gelingt, solche gesellschaftliche Kräfteverhältnisse herzustellen, die die Vergesellschaftung der Finanzinstitutionen ermöglichen ist es noch weit. Aber sofort durchführbar sind u.a. folgende Forderungen: