KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Ulli Fuchs: "Die Flüchtlinge werden gestorben"

(14.5.2014)

Ulli Fuchs, die parteiunabhängige Listenzweite von EUROPA ANDERS, spricht in einem Standard-Interview über die Profitgier der Konzerne, die Flüchtlingspolitik der EU und über die österreichische Neutralität

derStandard.at: Warum wollen Sie ins EU-Parlament?

Fuchs: Um meine Stimme gegen die unermessliche Profitgier der Konzerne und für das gute Leben zu erheben, gemeinsam mit den politisch nahestehenden Kollegen und Kolleginnen aus den anderen EU-Ländern. Gemeinsam sind wir mehr, etwa um TTIP zu verhindern und um aktive Neutralitäts- und Friedenspolitik zu machen.

derStandard.at: Wie erklären Sie jemandem, der sich nicht für die EU interessiert, warum er trotzdem zur EU-Wahl gehen soll?

Fuchs: Wählen zu gehen ist ein hart erkämpftes Recht, keine von oben verordnete Pflicht – ich zwinge niemandem etwas auf. Aber Europa anders macht auch jenen ein Angebot, die von der aktuellen Politik und von Parteien verdrossenen sind – wir sind ein buntes Bündnis, bei dem auch Unabhängige gemeinsam eine kritische Stimme erheben.

derStandard.at: Welche drei Eigenschaften zeichnen einen guten EU-Abgeordneten aus?

Fuchs: Unbestechlich, basisverbunden und international solidarisch.

derStandard.at: Was hat Ihnen am bisherigen EU-Wahlkampf gut gefallen, was gar nicht?

Fuchs: Am unsäglichsten sind die Reimereien der FPÖ und die Aussagen von Andreas Mölzer. Auch mit den tausendfach plakatierten geschönten Riesenporträts der Listenführer kann ich wenig anfangen. Gut gefallen hat mir die Resonanz auf Martin Ehrenhausers „Aufstehen“.

derStandard.at: An den EU-Grenzen sterben tausende Menschen. Wie kann das verhindert werden?

Fuchs: Diese Flüchtlinge sterben nicht einfach so, sie „werden gestorben“. Wenn ich in meinem Herkunftsland von Hunger oder militärischen Konflikten bedroht wäre, würde ich auch alles tun, um zu fliehen. Die Festung EU führt bloß zu noch gefährlicheren Fluchtwegen. Für Entwicklungshilfe und aktive Friedenspolitik! Für bedingungslose Einhaltung der Genfer Flüchtlingskon­vention! Für ein menschenfreun­dliches Asylrecht! Gegen die Kriminalisierung von Flucht und Fluchthilfe! Gegen private, profitorientierte Bewachungsdienste an den Grenzen und in den Lagern!

derStandard.at: Vor den Toren der Union schwelt ein Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Wie sollte die EU damit umgehen?

Fuchs: Die meisten EU-Länder sind auch Nato-Mitglieder, wir hingegen sind neutral – deswegen ist das österreichische Potenzial für einen friedensstiftenden Beitrag nicht zu unterschätzen. Alles für eine gewaltlose Konfliktlösung tun!

derStandard.at: Wofür werden Sie sich im EU-Parlament einsetzen?

Fuchs: Für das gute Leben für alle und für eine bessere Verteilung von Chancen, Ressourcen, Macht, Vermögen und Informationen.

derStandard.at: Wenn die EU ein Tier wäre, welches wäre sie und warum?

Fuchs: Eine gutmütige, fruchtbare Milchkuh auf einer saftigen europäischen grünen Wiese, die derzeit von den falschen Melkern und Melkerinnen gemolken wird. Und noch dazu gefüttert beziehungsweise vergiftet mit Knochenmehl ihrer eigenen Artgenossinnen.

Zur Person: Ulli Fuchs (geb. 1966) ist Kulturarbeiterin. Fuchs hat Volkskunde, Ethnografie und Kulturwissenschaf­ten studiert.

Hier das Interview im Original

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