
(7.6.2011)
Offener Brief an die Mitglieder des Europäischen Parlaments: Der «Euro Pakt +» und das «Economic Governance Paket» bedrohen unser Sozialmodell, die Menschenwürde und den Wohlstand
Geschätzte Mitglieder des Europäischen Parlaments !
Namens einer breiten Koalition von Gewerkschaften, NGOs und sozialen Bewegungen aus zahlreichen europäischen Ländern wenden wir uns an Sie, um unsere Sorge auszusprechen bezüglich der vor kurzem erfolgten Annahme des «Pakts für den Euro» und der Diskussion über die sechs Entwürfe von Direktiven für die «Ökonomische Governance» , ein Gegenstand, über den sie demnächst, im Juni, im Plenum des EP abzustimmen haben werden.
Die europäische Zivilgesellschaft lehnt einen beträchtlichen Teil der Vorschriften dieses Pakts und des Entwurfs der «Ökonomischen Governance» ab, weil sie direkte Angriffe auf das Europäische Sozialmodell, den sozialen Dialog und vor allem auf die menschliche Würde und die grundsätzlichen Werte unserer Gesellschaft darstellen. Diese Maßnahmen stehen im flagranten Widerspruch zur aktuellen Anstrengung, zwanzig Millionen Menschen aus Armut und sozialer Ausgrenzung zu befreien, die im Rahmen der Strategie Europa 2020 stattfindet.
Kurz gesagt sind unsere Hauptanliegen die folgenden:
Der zwischen den Regierungen auf höchster Ebene abgeschlossene Pakt untergräbt das Kollektivvertragsrecht und den sozialen Dialog, weil die Menschen in Schwierigkeiten und ihre zivilgesellschaftlichen Orgainsationen vollständig von wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen bleiben, die gravierende Auswirkungen auf ihr Leben haben werden. Auch die nationalen Parlamente werden nicht gehört: Die Maßnahmen werden die Kompetenzen der Kommission auf Entscheidungen in der Budgetpolitik ausdehnen, obwohl diese ein wesentliches Vorrecht der nationalen Parlamante darstellen.
Explizit zielt der Pakt auf «Gegenstände der nationalen Jurisdiktion» und erteilt der Kommission «eine zentrale Aufgabe bei der Überwachung und Durchführung der übernommenen Verpflichtungen»
«Er wird das bereits existierende Modell der ökonomischen Governance verstärken und eine spezielle Anstrengung beinhalten, die über die bisherige hinaus geht.»
Die Kommission wird damit beauftragt, die Budgetvoranschläge der Mitgliedsländer «vor Beschlussfassung» zu begutachten, sie bezüglich ihrer Konformität mit den neoliberalen Politiken der Union zu überprüfen und im negativen Fall die Staaten mit Strafzahlungen zu sanktionieren.
Wir ersuchen Sie als demokratisch gewählte Vertreter und Vertreterinnen der europäischen Bevölkerung nicht zuzulassen, dass die fundamentalen Rechte im Namen dieses Wettlaufs der Verschlechterungen zum Heil der Wettbewerbsfähigkeit, der Produktivität und des Wachstums bei Seite geschoben werden.
Enttäuschen Sie nicht Ihre Wähler und Wählerinnen, indem Sie Sie der Armut ausliefern!
Die Wettbewerbsfähigkeit um jeden Preis (zumal einen solchen menschlichen Preis) zu erhöhen wird nur den bestehenden Graben zwischen Arm und Reich vertiefen und noch mehr Menschen in Armut und Not stoßen.
Leisten Sie nicht der Ungleichheit und der Verletzung fundamentaler Rechte Vorschub!
Die Finanzkrise, die die Ursache der großen öffentlichen Defizite bildet, ist das Resultat von Fehlentscheidungen auf Seiten der Manager großer Vermögen, die nach immer mehr Mittel und Geld strebten. Das katastrophale Resultat hat bereits seine Opfer unter den am meisten Verwundbaren und Benachteiligten gefordert.
Zwingen Sie nicht die Armen ein zweites Mal, für die Krise zu zahlen!
Sie stehen vor der historischen Möglichkeit, aus Europa einen für alle Menschen besseren Platz zu machen, einen Ort der Gleichheit, der Solidarität, der Demokratie und des Wohlergehens für alle. Es ist an der Zeit, die Tendenz umzukehren, das Paradigma zu wechseln, das heißt die meschliche Entwicklung, den Wohlstand für alle und den sozialen Zusammenhalt voranzustellen.
Unterstützen Sie am 6. Juni das Soziale Europa!
Konkret:
Initiative group of the Joint Social Conference, ein breites Bündnis von
Gewerkschaften und sozialen Bewegungen aus allen Teilen Europa
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