KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Es reicht

Von Ben Turecek (10.7.2008)

SATIRISCHER NACHRUF AUF DIE GROßE KOALITION

„Es reicht!“ welch dröhnendes Wort, hätte man Willi Molterer gar nicht zugetraut, „es reicht“ ist doch normalerweise etwas, das man entschlussfreudigen Persönlichkeiten zutraut und Willi Molterer ist doch weder entschlussfreudig (für Entschlüsse verwendet er Schüsseln) noch eine Persönlichkeit in dem Sinn. Also jedenfalls mit diesem „es reicht“ leitete Willi Molterer den Selbstmord der großen Koalition ein, das heißt pardon, eigentlich finalisierte er ihn damit, denn der Selbstmord dieser Regierung rennt eigentlich seit ihrer Angelobung, sie haben sich gegenseitig Rattengift eingeflösst, aber wie in einem schillerschen Drama, sterben die Hauptfiguren dann 3 Akte lang, bevor sie endgültig dahingegangen sind. Also zuerst wurden sie vergiftet, dann haben sie sich erste Hilfe geleistet, dann haben sie sich wieder vergiftet, bis es zu spät war, das Gift wirkte, aber langsam und löste grässliche Schmerzen aus, sodass sich Willi zum Gnadenstoß überwand, also „es reicht“ und tschüss.

Und da steh ich jetzt vor den rauchenden Trümmern dieser Regierung und blicke wehmütig zurück, denn als Satiriker geht mir da gerade eine Menge Stoff durch die Lappen, wo ist mein Gusi? Der Mann, der am Schluss statt mir meine Kabarettprogramme schrieb. Ganz abgesehen davon, dass es ab jetzt heißt bis 22 Uhr arbeiten für die Herren und Damen Abgeordneten, nix mehr mit um 16 Uhr heimgehen, das ging nur unter Alfred Gusenbauer, dem Volkskanzler des 21. Jahrhunderts. Hierbei ist vielleicht eine neue Definition von Volkskanzler notwendig, diese setzt nämlich voraus, dass jemand dem Volk zum Trotz, Kanzler wird und bleibt.

Aber was war es denn eigentlich mit dieser Regierung, dass ihr nur die Kabarettistinnen und Kabarettisten nachtrauern?

Da waren doch fähige Leute drinnen, ein kompromissbereiter Bundeskanzler, gut vielleicht etwas zu kompromissbereit, es ist vielleicht doch nicht ganz so gut, alles was man vertritt über den Haufen zu werfen und zu leugnen, man hätte es je vertreten, so konnte es dann nämlich zu so interessanten Phänomenen kommen, wie dass die Abschaffung der Erbschaftssteuer eine ursozialistische Forderung wurde.

Dann gab es einen Vizekanzler und Finanzminister, der war doch ein sehr sachlicher Politiker, der auch auf zu viel Glanz verzichtete, vielleicht zu viel, denn ein Gesicht, das einmal in seinem Leben so etwas ähnliches wie ein Lächeln zusammenbringt und dann wünscht man sich, er hätte es unterlassen, ist halt nicht gerade der größte Sympathieträger, allerdings war er beliebter als der Volkskanzler, was das Werk des Volkskanzlers gewesen sein dürfte. Immerhin Molterer war auch ein Mann, der seine Linie vertrat, vielleicht ein bisschen zu viel, denn für jemand der eine Wahl gerade verloren hat, hat er ganz schön gemauert, bei dieser Regierung, dennoch ihm bleibt das Verdienst des Gnadenstoßes gegen diese Regierung.

Was hatten wir noch für fähige Leute? Die rauchende Gesundheitsmi­nisterin, die gleichzeitig eine kinderhassende Familienministerin war, eine Bankerin, zuständig für Unterricht und Kultur, eine Justizministerin, die Gesetzesentwürfe immer zuerst beschloss, dann gelesen hat, worum es darin eigentlich ging, mit einem Wort eine Ansammlung von Fachkompetenzen.

Die Außenministerin: Lange nicht mehr gesehen, es gibt Leute, die wollen gesehen haben, wie sie in Brüssel zwischen den Hämorriden der EU-Kommissare sich ihren Weg zu bahnen gedachte, aber das sind Gerüchte, von unverantwortlichen Individuen in die Welt gesetzt.

Bleibt der Innenminister, zu ihm fällt mir nichts ein, nur eins: Arigona hätte zwei Möglichkeiten gehabt, dann würde ihre Lage jetzt nicht so aussehen, sie hätte als Panda oder als russische Sopranistin herkommen sollen, in beiden Fällen wird dir weder übel genommen, dass du Ausländerin bist, noch dass du kein Wort deutsch sprichst.

Das war sie die Regierung, hab ich was vergessen, ach ja Zivildiener Darabos im Verteidigungsmi­nisterium, der einzig wirklich fähige Minister, denn obwohl er „nur“ Zivildiener ist hat er Soldaten in den Tschad geschickt, womit er seiner Aufgabe als Verteidigungsmi­nister sehr gerecht wurde, man muss sich ja präventiv gegen die Bedrohung im Tschad gegen Österreich schützen.

Was ist das Erbe dieses großen realsatirischen Konstrukts?

Der nächste Wahlkampf, da steht uns wieder was bevor. Die Sozis entdecken jetzt ihre Liebe zur Volksnähe, auf einmal darf man über den EU-Vertrag abstimmen, blöd nur, dass der jetzt schon ratifiziert wurde und überhaupt wird alles sozialer und gerechter und schuld waren ja nur die Schwarzen und wenn sie jetzt gewählt werden, dann wird aber wirklich alles besser.

Die Schwarzen werden wieder einmal zum hundertsten Mal erzählen, sie seien das einzige was für Österreich gut ist, diesmal wird Molterer von einem Bächlein trinken und drüber wird, in Anlehnung an das damalige Schüsselplakat mit der Aufschrift „Hier geht’s uns gut“, stehen „Also mir geht’s noch immer gut“.

Die Grünen, die werden wieder auf vielen Plakaten nichts aussagen, außer wählt’s uns, dann kommen wir in die Regierung, weil „es geht auch ohne große Koalition.“ Also auf gut deutsch, so was, wie die Regierung, bringen wir Grünen auch zusammen.

Und die FPÖ, ja na da werden wir wieder ein „Duell um Österreich“ erleben, da dem H.C. allerdings noch immer niemand gesagt hat, dass ein Duell ein Zweikampf ist, also zwischen 2 Personen geführt wird, wird er dieses wohl diesmal gegen 4 Leute führen, gegen Schüssel und Molterer und gegen Gusenbauer und Faymann. Und er wird sicher zulegen auch mit so flotten Sprüchen wie „National und sozial statt fremd und brutal“. Hier will ich mich aber nicht in Einzelheiten ergehen, der Wahlkampf der FPÖ liegt meist jenseits des Satirisch-Erträglichen und erreicht die Phase der Magenausrenkung.

Ja und das war’s dann auch: Dinkhauser, LIF und Initiative Rettet Österreich werden’s auch probieren, die Kummerln werden sicher nicht fehlen, mit ein bissi Glück und vom Regen der Zeit fleißig begossen, könnt sich da sogar ein bissi was tun, das war’s.

Ah so, das BZÖ. Ja, als Satiriker wende ich mich an die Wählerinnen und Wähler, bitte, bitte, bitte, bitte, entfernt dieses Konkurrenzprodukt, ich finde das Kabarett hat ein Anrecht auf ein Monopol auf komische Inhalte, schlagkräftige Pointen und skurrile Personen. Das darf nicht sein, dass es so was in der Politik auch gibt.

Bedenkt all dies wenn ihr nun alle eure letzten Wünschen der großen Koalition gebt, die nach so kurzer Zeit, so brutal von uns weggerissen wurde und die außer uns Satirikern keiner vermissen wird.

Aktuelles:


KPÖ Oberösterreich: Jetzt Unterstützungserklärung unterschreiben!
(14.7.2021)

...mehr


Die Europäische Linke fordert einmal mehr das Ende der Blockade gegen Kuba
(13.7.2021)

...mehr


Die neue Juli Volksstimme 2021 ist da!
(13.7.2021)

...mehr


KPÖ Graz: Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für Graz
(10.7.2021)

...mehr


38. Parteitag der KPÖ: In der ältesten Partei Österreichs übernehmen Junge das Ruder
(21.6.2021)

...mehr

Volksstimme - Politik & Kultur - Zwischenrufe links