
Von KPÖ-Bundesausschuss (26.10.2008)
Das 4. Austrian Social Forum (ASF) ging am Sonntag, den 26. Oktober 2008 erfolgreich zu Ende. Während drei Tagen bildete das historische Schloss von St. Peter, einst Herrschaftssitz nun Haus für alle den Rahmen für 78 Veranstaltungen, die zum überwiegenden Teil von zivilgesellschaftlichen Organisationen und sozialen Bewegungen selbst organisiert waren. Ein breiter Bogen von Themen spannte sich von ökologischen Fragestellungen über die Problematik von Geld- und Friedensthemen bis hin zu Überlegungen wie ein solidarisches, soziales, ökologisches und weltoffenes Europa aussehen könnte.
Noch nie in der Geschichte der österreichischen Sozialforumsbewegung war
es gelungen, in einem derart hohen Masse die Bevölkerung der Region in die
Diskussionen einzubeziehen. Ebenso aber gab es Gäste aus anderen Ländern wie
Claudio Nascimento, den brasilianischen Cheforganisator solidarökonomischer
Netzwerke der Regierung von Inácio Lula, den Vizepräsidenten der Republican
Sinn Féin von Irland Des Dalton, den griechischen Koordinator des
Bootsprojekts Free Gaza Evangelis Pissias und des Verantwortlichen für die
Beziehungen zu sozialen Bewegungen in der bundesdeutschen
MetallarbeiterInnengewerkschaft Horst Schmitthenner.
Angesichts der gegenwärtigen innenpolitischen Lage in Österreich, die sich
durch einen massiven Rechtsruck bei den letzten Nationalratsahlen kennzeichnet
sowie angesichts der Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten, die
jetzt zunehmend auf den kapitalistischen Produktionsprozess übergreifen, bot
das ASF eine sehr gute Gelegenheit, die aktuelle Situation solidarisch zu
reflektieren und gemeinsam praktische Schritte zur Überwindung der Krise
anzupeilen.
Der drohende Zusammenbruch des Finanzsystems erfordert eine radikale
Neuorientierung zu einem sozialen, ökologischen und geschlechtergerechten
Europa. Den weiteren Privatisierungsplänen soll die Rückführung wichtiger
Bereiche (Energie, Post, Bahn) sowie der Banken und Großkonzerne in
öffentliches, demokratisch kontrolliertes Eigentum entgegengesetzt werden.
Solidarische Ökonomie anstatt schrankenlosem Egoismus.
Beim ASF gab es lebhafte Diskussionen über Alternativen zum bestehenden
Wirtschaftssystem. Zu diesem Thema wurde ein breites Spektrum an Ideen
diskutiert, das von Entwicklung neuer wertstabiler und gemeinschaftsbildender
Geldformen über Konzepte der Steuergerechtigkeit bis zu demokratisch
kontrollierten sozialistischen Wirtschaftsmodellen reichte. Insbesondere wurde
darauf hingewiesen, dass das bestehende System auf rücksichtsloser
Gewinnmaximierung, Ausbeutung von Mensch und natur und auf einem
zerstörerischem, profitorientiertem Wachstumszwang beruht.
Es wurde festgestellt, dass das so genannte Ausländerproblem in Wirklichkeit
eine Folge weltweiter sozialer und ökonomischer Ungerechtigkeit ist. Es müssen
dringend Maßnahmen gegen die Diskriminierung von MigrantInnen am Arbeitsmarkt,
bei Behörden und im Bildungssystem getroffen werden. Diskutiert wurde weiters
die Anerkennung einer Wohnbürgerschaft, die den MigrantInnen gleiche Rechte
zugesteht, und die Aufhebung aller so genannten Ausländergesetze.
Anstelle des von der Europäischen Union angestrebten Reformvertrages von
Lissabon, sollen Konzepte Platz greifen, die ein soziales, ökologisches,
geschlechtergerechtes und friedliches Europa verwirklichen. Das ASF spricht
sich entschieden gegen ein Europa der Banken, Konzerne und Generäle aus. Ebenso
weisen wir die rassistische Einwanderungspolitik durch die Festung Europa
zurück. Vor allem die Rückkehrdirektive der EU hat die Situation von
MigrantInnen und AsylwerberInnen enorm verschärft.
In den verschiedenen Arbeitskreisen sprachen sich die TeilnehmerInnen
entschieden gegen Krieg und Besatzung aus. Anhand von Beispielen wie Palästina
und Tibet wurde die Notwendigkeit von Friedensstrategien im Zusammenhang mit
nationaler Unterdrückung diskutiert. Ebenso wurde eine aktive Solidarität mit
den unterdrückten Völkern gefordert.
Das ASF hat einen guten Beitrag dazu geleistet, die unterschiedlichen Zugänge
zu den einzelnen Problemstellungen zusammenzuführen und solidarische
Diskussionen zu unterschiedlichen Themen gewährleistet. Weiters schließt sich
das ASF dem Aufruf des Europäischen Sozialforums für eine Demonstration gegen
das Militärbündnis NATO am 3./4. April 2009 in Strasbourg ebenso an wie der
Mobilisierung des für 6. Dezember geplanten europäischen Aktionstags gegen
Armut in Paris .
Eine andere Welt ist möglich und auch notwendig!
St. Peter in der Au, 26. Oktober 2008