Mirko Messner, Bundessprecher der KPÖ in der Diskussion "Im Zentrum"Von Leo Furtlehner (22.9.2008)
Phasenweise sehr emotional verlief die Diskussion der SpitzenkandidatInnen
jener fünf bundesweit kandidierenden Parteien, die nicht im Parlament vertreten
sind in der ORF-Sendung Im Zentrum am 21. September 2008.
Moderiert von Ingrid Thurnherr diskutierten Heide Schmidt (LIF), Mirko Messner
(KPÖ), Fritz Dinkhauser (FRITZ) sowie das sich meist gegenseitig bestätigende
und mittels Lautstärke ihre inhaltliche Leere überspielende reaktionäre
Doppelpack Alfons Adam (Die Christen) und Wilfried Auerbach (Rettet
Österreich). Zweifellos ist es sehr mühsam, in nur einer Stunde zumindest
ansatzweise die völlig kontroversen Schwerpunkte der fünf Parteien zu
behandeln. Die Moderation stellte daher jeweils einen Schwerpunkt der
teilnehmenden Parteien zur Diskussion.
Grundeinkommen
Schmidt bezeichnete ein Grundeinkommen als Respekt vor den Menschen mit
arbeitsmarktpolitische Funktion um sich auf Risiken einlassen zu können und
Kreativität zu fördern. Für das LIF sei dies Teil einer Steuerreform, das
als Negativsteuer aber nur an jene ausbezahlt werden soll, die es brauchen.
Dinkhauser steuerte dazu seine Erfahrungen mit dem Tiroler
Beschäftigungsverein bei und gab Sozial- und Wohlfahrtsarbeit den Vorrang.
Messner verwies darauf, dass ein zunehmender Teil der Bevölkerung aus dem
Erwerbsleben ausgegliedert und in die Prekarisierung gedrängt wird und dass
immer mehr Menschen keine Aussicht auf Teilhabe haben, während andererseits ein
ungeheurer Reichtum aufgehäuft wird: Das Geld ist vorhanden um jenem Teil,
der keinen Zugang mehr hat ein solches bedingungsloses Grundeinkommen als
Sockeleinkommen zu gewähren. Ein solches habe für die KPÖ aber nichts mit
Notstands- oder Sozialhilfe zu tun. Im Gegensatz zum LIF sei für die KPÖ das
Grundeinkommen kein Ersatz für Transferleistungen. Adam konnte keinerlei
Vorstellungen zu diesem Thema vermitteln und sprach nur davon die Familien
sozial absichern, wozu er ein Müttergehalt forderte. Ähnlich argumentierte der
sich mehrfach als der Vertreter der Bürger schlechthin darstellende Auerbach
davon soziale Härtefälle abzufedern.
Steuerpolitik
Dinkhauser forderte den hohen Einstiegssteuersatz von 38 Prozent zu senken,
trat aber auch für eine Senkung des Spitzensteuersatzes auf 44 Prozent sowie
eine überfällige Wertanpassung ein. Finanziert werden sollte nach den
Vorstellungen der Liste FRITZ eine sofortige Steuerreform durch eine
Verwaltungsreform und höhere Vermögensbesteuerung. Adam konnte auch dazu
keine konkreten Pläne vorstellen und sprach von Scheingefechten, forderte
lediglich ein Familiensplitting. Ähnlich nebulos blieb Auerbach.
Messner listete auf, dass seit 1994 die Vermögens-, Wertpapier-,
Börsenumsatz-, Gewerbe- und Erbschaftssteuer sowie Bankenabgabe abgeschafft,
Privatstiftungen und Gruppenbesteuerungen für die Konzerne eingeführt und
der Spitzensteuersatz von 62 auf 50 Prozent gesenkt wurde und damit ein
massiver Umverteilungsprozess von unten nach oben stattgefunden hat. Er
meinte, dass eine Umkehr notwendig ist und forderte die Anhebung des
Spitzensteuersatz auf 60 Prozent sowie Senkung des Einstiegssteuersatzes:
Es muss endlich ein Umverteilungseffekt von oben nach unten eingeleitet
werden. Er kritisierte die Behauptung, dass zuwenig Geld für Gesundheit,
Soziales etc. da sein, man müsse das Geld dort nehmen wo es zuhauf vorhanden
ist. Die Steuerpolitik sei aber nur ein Teil der Umverteilungspläne der KPÖ.
Schmidt kritisierte, dass die Progressionsstufen unverändert geblieben und die
Belastung gestiegen seien, trat für eine Entlastung des Mittelstandes bis
70.000 Euro Jahreseinkommen ein und forderte zur Gegenfinanzierung eine
Vermögenszuwachssteuer.
Familienpolitik
Adam erklärte, dass die Kinder zur Mutter gehörten, blieb aber eine Antwort
auf Messners Zwischenruf Und wo bleibt der Papa? schuldig. Es sei eine Art
von Kindesmisshandlung und ein Trend zu einem totalitären Staat, wenn
Kleinkinder in Krippen gegeben werden, kritisierte Adam weiter, dass nie das
Kindeswohl von Bedeutung sei und Familien zerstört würden. Schmidt hielt dem
entgegen, dass die Realität eine völlig andere sei. Sie trat für kostenfreie
flächendeckende Kindergartenplätze und Krippen als erster Platz in einem
Bildungsprogramm ein, was Adam in einem Zwischenruf als
Umerziehungsprogramm abqualifizierte, wozu er sich wiederum sagen lassen
musste, kein Monopol auf das Christentum zu besitzen.
Dinkhauser sprach vage davon, dass Kinder zur Mutter und auch Vater gehörten,
die Realität aber die Berufstätigkeit sei. Auerbach gab wiederum Adam recht
und meinte, dass Kinder bis zum dritten Lebensjahr totale Geborgenheit und
Aufmerksamkeit erforderten. Messner verwies darauf, was ArbeiterInnen- und
Frauenbewegung an Frauen- und Kinderrechten sowie einem zeitgemäßen Frauen-
und auch Männerbild erreicht haben und bezeichnete Adams Position als Ausdruck
eines patriarchalen Dunkelmännertums der übelsten Art, dem auch im
Christentum ganz andere Traditionen fundamental widersprechen, wie etwa ein
parteiloser bekennender Christ als KPÖ-Kandidat seine Haltung aus soziale
Gerechtigkeit ableitet.
Öffentliches Eigentum
Die KPÖ wurde mit dem Thema Verstaatlichung bzw. Privatisierung konfrontiert.
Messner erklärte dazu, dass die Profitmaximierung immer deutlicher den
Bedürfnissen der Menschen widerspricht und verwies auf die aktuelle
Finanzkrise. Nachdem ständig Mehr privat statt Staat gefordert wurde,
müsse jetzt der Staat eingreifen, was das Desaster der neoliberalen Politik
die Gewinne privatisiert und Verluste vergesellschaftet zum Ausdruck bringt.
Dinkhauser gab Messner recht in Bezug auf die Versorgungssicherheit und
betonte, dass bei der Privatisierung das rechte Maß verlorengegangen sei.
Auerbach wiederum sprach sich für das Leistungsprinzip aus und polemisierte,
man habe gesehen, wohin der Kommunismus geführt habe. Er verlangte, dass
die Grundversorgung in österreichischer Hand bleiben müsse und kritisierte,
dass die Politik nichts gegen die Monopolisierung tut. Adam teilte Auerbachs
Meinung und kritisierte Verstaatlichungen als kommunistisches Konzept, als
Ursache der wirtschaftlichen Probleme ortete er, dass das christliche
Menschenbild keine Rolle mehr spielt. Schmidt wiederum sah keinen
Verstaatlichungsbedarf, sondern eher einen Privatisierungsbedarf und trat
für mehr Kontrollen und Regulierung durch den Staat ein.
EU-Vertrag
Außer allgemeiner Polemik und vager Ankündigung einer politischen Bombe
konnte Auerbach zu seinem Leibthema EU-Vertrag nicht viel sagen, kritisierte nur
massiv den Tschad-Einsatz und dass der ORF eine Diskussion mit
Verfassungsexperten verweigert hatte. Messner wies konkret auf den Artikel
24 mit der Beistandsverpflichtung hin und meinte, dass die österreichische
Neutralität ein Modell für eine europäische friedenspolitische
Orientierung sein könnte: Die im Vertrag enthaltene Verpflichtung zur
Aufrüstung ist grundfalsch und gefährlich, die österreichische Politik
phantasielos und kontraproduktiv.
Dinkhauser äußerte sich nur allgemein für die Neutralität, dem Europa der
Regionen und bezeichnete eine Volksabstimmung als notwendig, sprach sich gegen
einen Türkei-Beitritt aus und sprach von der EU als größtes Friedensprojekt.
Der aus der Paneuropa-Union kommende Adam plädierte für ein christliches
Europa der Vaterländer, aber seit den EU-Sanktionen gegen Österreich sei er
vom Friedensprojekt EU nicht mehr überzeugt. Auch kritisierte er die
Entschließungen des EU-Parlaments gegen das Christentum. Schmidt hingegen gab
ein vehementes Plädoyer für den Vertrag als wichtigen und richtigen Schritt
zur Demokratie, gab sich nach dem Nein von Irland skeptisch über die Zukunft
des Vertrages. Strikt abgelehnt wurde von Schmidt eine nationale Volksabstimmung
und sie kritisierte, dass SPÖ wie ÖVP mittlerweile auf solche
eingeschwenkt seien.