Mit großer Besorgnis verfolgt die KPÖ neue Schritte der Aufrüstung, wie
aktuell die Stationierung eines Raketenabwehrschildes in Polen und Tschechien
und die Zunahme kriegerischer Auseinandersetzungen, wie zuletzt in
Georgien.
Die Hoffnung auf weltweite Abrüstung und eine Periode von Frieden und
Entspannung nach dem Ende der Blockkonfrontation nach 1991 hat sich leider
nicht erfüllt. Nicht nur die verbliebene Supermacht USA sondern auch die EU,
Russland und China sowie zahlreiche weitere Staaten rüsten massiv auf und
beanspruchen Interessenssphären in aller Welt. Die Kriege am Balkan, im Irak
und in Afghanistan haben keine Lösung der Probleme der jeweiligen Regionen
gebracht sondern waren vielmehr der Machtpolitik und wirtschaftlichen Interessen
der kriegführenden Mächte geschuldet.
Die KPÖ hat schon am Beispiel der Zerschlagung des multinationalen Jugoslawien
kritisiert, dass damit Konflikte nicht gelöst, sondern vielmehr neue geschaffen
werden. Das Selbstbestimmungsrecht wird von den imperialistischen Mächten je
nach Interessenlage durch Gewährung oder Verweigerung zynisch für ihre
Machtpolitik und zum Anheizen nationaler Spannungen verwendet.
Die Unabhängigkeit des Kosovo auf Betreiben von USA und EU hat eine Büchse der
Pandora für eine neue Welle sezessionistischer Bestrebungen geöffnet. Der
Hintergrund dafür ist, dass nach dem Zerfall der Sowjetunion die
Nachfolgestaaten, z.B. Georgien den nationalen Minderheiten den Autonomiestatus
verwehrten, den sie bis dahin inne hatten. Somit werden einerseits Länder wie
Georgien zum Instrument der imperialistischen USA, abtrünnige Regionen
hingegen zum Instrument des imperialistischen Russland.
Die Installierung eines Raketenabwehrsystems der USA in Polen und Tschechien
verschärft die Gegensätze und wird von Russland zu Recht als aggressiver Akt
interpretiert und bringt nicht mehr Sicherheit sondern erhöht die Kriegsgefahr.
Russland hat im Gegenzug bereits Raketenstationierungen im Gebiet Kaliningrad,
in Belorussland, in Syrien und Kuba angekündigt. Die KPÖ bekräftigt daher
neuerlich ihre Forderung eine neuerliche Aufrüstung zu verhindern und verlangt
entsprechende Initiativen der österreichischen Regierung vor allem auch im
Rahmen der Europäischen Union.
Die einzige sinnvolle Perspektive insbesondere für Krisenregionen wie den
Kaukasus sind daher Abrüstung, Entmilitarisierung und Neutralisierung, aber
auch die Gewährung der Autonomie für nationale Minderheiten und die Isolierung
mafiöser Regime. Die KPÖ fordert den Abzug aller fremden Truppen und
Militärberater und die Auflösung der Militärpakte. Notwendig sind politische
Lösungen auf der Basis der Anerkennung des Völkerrechts. Österreich muss auch
im Rahmen von UNO, OSZE und Europarat seinen sich aus der Neutralität
ergebenden internationalen Verpflichtungen nachkommen.
Österreich hat dabei die Chance, aber auch die Verpflichtung durch eine aktive
Neutralitätspolitik wichtige Initiativen zu ergreifen. Das bedingt freilich
auch ein Abgehen von der Einbindung des neutralen Österreich in die im
EU-Vertrag vorgesehene Militarisierungsstrategie der EU und ist mit einer
Beteiligung an einer Rüstungsagentur und Euroarmee unvereinbar.
Beschluss der KPÖ-Wahlkonferenz vom 23.8.2008