
Von Christoph Kepplinger (25.9.2008)
Ich schätze Stefan Jagsch seit den Tagen, an denen wir als Schüler in Freistadt die dortige SJ-Gruppe gegründet haben, als linken Mitstreiter und politisch aktiven Menschen, nur: In seinem Beitrag „Der lange Atem des GroKo-Deals“ in der SJ-Wien-Zeitung „trotzdem“ vom September 2008, die in ihrer ganzen Aufmachung beweist, wie nun auch die SJ voll auf den Faymann-Kurs aufgesprungen ist (wiewohl ich es bemerkenswert finde, dass damit indirekt die Karrieristin Laura Rudas unterstützt wird, während andere in der SJ jahrelang die mühevolle Basisarbeit leisteten und leisten und leer ausgehen), schreibt er unverblümt folgenden Satz:
„Eine wirkliche Entnazifizierung fand nicht statt, stattdessen überboten sich die SPÖ und ÖVP (in kleinerem Stil auch die KPÖ) in der Aufnahme von ehemaligen Nazis, die sie als WählerInnenpotential nicht an die jeweils andere Partei verlieren wollten.“
Einen solchen Satz hinzuschreiben halte ich für gewagt und ich will meinen: untergriffig, weil er suggeriert, dass die KPÖ im Wettbewerb um ehemalige Nazis im Reigen mit den beiden Großparteien gestanden hätte. „Überboten“ steht da gar geschrieben und die KPÖ wird mit in den Topf geworfen. Bei unbedarften JungsozialemokratInnen wird schon ein bisschen was von dieser großkoalitionären Geschichtsklitterung hängen bleiben.
Welche Fakten sprechen für eine derartige These? Die KPÖ war die einzige in der Illegalität organisierte österreichische Partei, die eine nennenswerte Widerstandsbewegung unter Lebensgefahr ihrer Mitglieder überhaupt aufrecht erhalten hat und sie war auch nach 1945, gerade in den Jahren, als viele ehemalige Nazis von SPÖ und ÖVP in unglaublich geschichtsvergessener Weise rehabilitiert und geschützt wurden, die entschiedenste Gegnerin dieser Mißstände und aktiv an der Aufdeckung untergeschlüpfter Nazis und neonazistischer Umtriebe in der unmittelbaren Nachkriegszeit beteiligt, währed SP und VP schon damals begannen, in trauter Einigkeit zu vertuschen und zu verdecken, wo es nur möglich war.
Für den Versuch, das sozialdemokratische schlechte Gewissen auch ein wenig auf die KPÖ überzuwälzen (ich halte das jetzt einmal für Wahlkampfgeplänkel) wünsche ich mir eine fundierte Untermauerung, er taugt nicht für eine salopp hingeworfene journalistische Aussage. Wenn nicht der Zweck darin bestehen soll, im Namen der SJ unterschwellig antikommunistische Propaganda zu betreiben. Dann sollte die SJ aber erst einmal klären, wie ihr Verhältnis zu merkwürdigen internen Grüppchen wie „Funke“ und „Stamokap“ aussieht, bevor sie sich in den konformistischen Schoß der Faymann'schen Mittepolitik begibt.