
Von Roland Steixner (18.9.2008)
Als am 21.8.2008 feststand, dass „die Christen“ bei dieser Nationalratswahl bundesweit antreten werden, war deutlich, dass eine deklariert homophobe Partei bei diesen Wahlen antritt. Als ob diesbezüglich eine Steigerung in Hinblick auf die Inhalte von FPÖ („Kampf gegen die Globale Erwärmung an den Schulen“) BZÖ (mit der Kandidatur des Hardcore-Katholiken Ewald Stadler) noch möglich wäre. Auch die ÖVP brilliert in puncto Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften nicht gerade mit allzu großer Umtriebigkeit.
Tatsächlich haben sich „die Christen“, was rückwärtsgewandte politische Ansagen betrifft, einen Stockerlplatz verdient. Schon bei früheren Wahlen hatten AktivistInnen der „Christen“ einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Kindesmissbrauch behauptet – wie auf der Homepage des HLI-Aktivisten Dietmar Fischer, der bei der niederösterreichischen Landtagswahl für „die Christen“ kandidierte, zu lesen war. Eine Ansicht, die aufgrund ihres – erwiesenermaßen nicht vorhandenen – Wahrheitsgehaltes nicht zu kommentieren wäre, fielen diese Äußerungen nicht unter den strafrechtlich relevanten Tatbestand der „Verhetzung“, wenn §283StGB Menschen auch vor Verhetzung aufgrund der sexuellen Orientierung schützte. Da dem aber nicht so ist, weil „sexuelle Orientierung“ in §283StGB keine Erwähnung findet, können die AktivistInnen der „Christen“ unbehelligt gegen Homo-, Bi- und Transsexuelle hetzen.
Adam, der Spitzenkandidat der „Christen“, macht auch im Standard Chat unmissverständlich deutlich, was er von Homosexualität hält:
„Bis zu der Zeit als vor wenigen Jahrzehnten Homosexualität als Instrument der Verbreitung eines antichristlichen Menschenbildes herangezogen wurde, war es in Fachkreisen unumstritten, dass es sich um eine seelische Erkrankung handelt, die übrigens heilbar ist. Wir wollen ganz einfach der Wahrheit verpflichtet sein und wenden uns dagegen, dass Kinder und Jugendliche zu einer Lebensweise verführt werden, die wir ihnen nicht wünschen können.“ (http://derstandard.at/?…)
Wir lesen weiters im Standard Chat, dass Adam es eben nicht verhindern könne, wenn er mit seinen Äußerung andere verletzt. Anders hingegen verhält es sich, wenn sich die Opfer dieser Diffamierungen dagegen rechtlich zur Wehr setzen könnten. Das wäre in den Augen Adams eine „Art von Christenverfolgung“. (http://derstandard.at/?…)
Der inflationäre Gebrauch des Begriffs „Christenverfolgung“ ist ein Schlag ins Gesicht all der ChristInnen, die in totalitären Staaten tatsächlich wegen ihres Glaubensbekenntnisses verfolgt wurden und werden.