
(15.11.2007)
Der Promedia Verlag lädt zu Diskussion und Präsentation des Buches „EU-Osterweiterung. Historische Basis – ökonomische Triebkräfte – soziale Folgen“ von Hannes Hofbauer.
Wann?
Donnerstag, 22. November 2007 um 19 Uhr
Wo?
Café Siebenstern, Siebensterngasse 31, 1070 Wien
Das Buch:
Hannes Hofbauer: EU-OSTERWEITERUNG
Historische Basis ökonomische Triebkräfte soziale Folgen
ISBN 978–3–85371–273–3, br., 320 S., 19,90 Euro. Edition Brennpunkt Osteuropa
In bislang zwei Etappen hat sich die Europäische Union nach Osten erweitert: am 1. Mai 2004 traten zehn Länder der Brüsseler Union bei; am 1. Januar 2007 folgten Rumänien und Bulgarien. Die Expansion ist nicht abgeschlossen. Mit Kroatien und Makedonien befinden sich zwei weitere Staaten im konkreten Aufnahmeverfahren.
Was in Politik und führenden Medien ohne Ausnahme mit positiv klingenden Attributen versehen wird, hat indes mehr als nur Schattenseiten: Die Eingliederung ehemals kommunistisch regierter Staaten in das Brüsseler Regelwerk der vier kapitalistischen Freiheiten (Kapital, Dienstleistungen, Waren- und Personenverkehr) unterwirft einen halben Kontinent dem Kalkül expansionshungriger Konzerne aus Westeuropa, insbesondere aus Deutschland. Die Folgen sind eine Zurichtung der osteuropäischen Ökonomien auf den Bedarf der Märkte in den westeuropäischen Zentren sowie eine fortgesetzte soziale Verelendung bedeutender Teile der Gesellschaften im Osten. Europas Globalisierung hinterlässt zig Millionen von Verlierern der Transformation nach einer weitgehenden Liberalisierung – schreib: Zerstörung – von sozialen Sicherungssystemen unversorgt.
Die vorliegende kritische Bestandsaufnahme der EU-Osterweiterung stellt den Ausgriff westeuropäischen Kapitals in Richtung Osten in einen historischen Kontext und setzt sich auch mit dem Begriff „Europa“ auseinander. Vom lange geträumten deutschen „Drang nach Osten“ über die durch Marshallplan für den Westen und Embargopolitik für den Osten divergierende Entwicklung nach 1945 bis zur Auflösung des RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) im Jahre 1991 spannt der Autor den Bogen jener Geschichte, die erzählt werden muss, um die Jahre der Transformation verstehen zu können.
Berichte über sämtliche neuen EU-Mitglieder geben einen Einblick in den Zustand von Wirtschaft und Gesellschaft der jeweiligen Länder. Auffallend dabei sind die zwischen 1989 und 2007 erfolgte vollständige Übernahme der bedeutendsten wirtschaftlichen Sektoren durch westeuropäische Eigentümer. Das Nebeneinander von ökonomischer Konvergenz und sozialer Divergenz ist dabei zum Prinzip der Brüsseler Politik erhoben worden.
Der Autor:
Hannes Hofbauer, Jahrgang 1955, hat Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Wien studiert. Er arbeitet als Journalist und Publizist. Seit 1989 bereist er die Länder Osteuropas. Zuletzt ist von ihm im Promedia Verlag der Titel „Mitten in Europa. Politische Reiseberichte aus Bosnien-Herzegowina, Belarus, der Ukraine, Transnistrien/Moldawien und Albanien“ (Wien 2006) erschienen. Das vorliegende Buch ist die gründlich überarbeitete und wesentlich erweiterte Ausgabe des Titels „Osterweiterung. Vom Drang nach Osten zur peripheren EU-Integration“, der im Jahr 2003 erschienen ist.
Der Wiener Standard am 12. November 2007 zum Buch: Berichterstattung und Sachbuchliteratur über den Osten Europas ist seit einigen Jahren mit einem euphorischen Grundton unterlegt. Hannes Hofbauer, ein Wiener Journalist und Publizist, hat schon in der vor einigen Jahren erschienen Ausgabe dieses Buches gegen den Strich gebürstet und die EU-Osterweiterung, und was sie für die Menschen in den Erweiterungsländern bedeutet, kritisch beleuchtet. Jetzt liegt die komplette Überarbeitung dieses Buches vor, in dem die Analyse Hofbauers noch an Schärfe gewonnen hat.