Mittwoch, 10. September 2008, 19 Uhr, Linz, Stadtwerkstatt, Vortrag RAF, Jutta Ditfurth, Stadtwerkstatt und LIBIB
Ulrike Meinhof ist ein Kriegskind. Sie kommt aus einer sehr deutschen
Familie, in der evangelische Christen mit dem NS-Faschismus paktieren. Schon als
Jugendliche steht sie »in Opposition«, hört Jazz, spielt Schlagzeug und
überwirft sich mit ihrer Pflegemutter Renate Riemeck.
Die Adenauer-Ära politisiert sie: Ulrike Meinhof wird Atomgegnerin, frühes
SDS-Mitglied und tritt 1958 in die verbotene KPD ein.
Als Fernseh-und Rundfunkjournalistin erregt sie Aufsehen mit ihren scharfen
politischen Analysen und ihrem sozialen Engagement vor allem für Heimkinder,
Arbeitsmigranten und Industriearbeiterinnen. Nach einem Abstecher in die
Hamburger Medienschickeria entscheidet sie sich 1967 für den politischen Kampf
an der Seite der APO, deren »große Schwester« sie wird.
Warum kehrt die angesehene konkret-Chefredakteurin dem bürgerlichen
Leben den Rücken?
Warum nimmt sie 1970 an der spektakulären Befreiung des inhaftierten Andreas
Baader teil?
Warum lässt sie sich von palästinensischen Guerilla-Kämpfern ausbilden,
verübt Banküberfälle und plant Attentate?
Jutta Ditfurth gelingt es mit dieser Biografie, die Mythen über Ulrike Meinhof
zu zerbrechen und die Frage zu beantworten: Wer war Ulrike Meinhof wirklich?
Die Publizistin Jutta Ditfurth stieß in ihrer sechsjährigen Recherche im In-und Ausland auf bisher unbekannte Quellen zu Ulrike Meinhof und traf viele Zeitzeugen, auch solche, die bisher geschwiegen haben. Sie zeigt überraschende Ereignisse und völlig neue Zusammenhänge in der Lebensgeschichte der RAF-Gründerin auf. In dieser ersten umfassenden Biografie von Ulrike Meinhof spiegeln sich auch die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik, die jugendlichen Subkulturen der 1950er und das politisch rebellische Klima der sechziger und siebziger Jahre wider.
Kurzbiografie: Jutta Ditfurth studierte Soziologie, Politik, Kunstgeschichte, Wirtschaftsgeschichte und Philosophie in Heidelberg, Hamburg, Freiburg, Glasgow/Großbritannien, Detroit/USA und Bielefeld. Abschluss 1977 als Diplomsoziologin. Arbeit als Sozialwissenschaftlerin in Forschung und Lehre an den Universitäten Freiburg, Bielefeld und Marburg. Umzug nach Frankfurt/Main im Winter 1977. Danach etwa 2 Jahre Jobs in unterschiedlichen Frankfurter Firmen und Funktionen. Seit 1980 Erwerbsarbeit hauptsächlich als Journalistin und Autorin für Printmedien und Rundfunk. Politisch aktiv seit Anfang der siebziger Jahre, in der undogmatischen Linken, in der Frauenbewegung und vor allem in der Anti-AKW-Bewegung. Nach dem „Deutschen Herbst“ (1977) 1978 Mitbegründerin der Grünen Liste Wählerinitiative für Demokratie und Umweltschutz (GLW) und der Grünen Liste Hessen (GLH) sowie 1979/1980 Mitbegründerin der Grünen. 1981 bis 1985 Stadtverordnete im Frankfurter Römer. 1984 bis 1988 Bundesvorsitzende der Grünen. Im April 1991 Austritt aus den Grünen wegen deren Rechtsentwicklung und Mitgründung der Ökologischen Linken. Von 1989 bis 1992 Mitglied im Bundesvorstand der Deutschen Journalistenunion (dju)/IG Medien. Von 1992 bis 1995 Bundesvorsitzende der dju/IG Medien und Mitglied im Hauptvorstand der IG Medien. Seit 1991 Herausgeberin der Zeitschrift ÖkoLinX. Zu den Europawahlen 1999 kandidierte Ditfurth als Gegnerin des Nato-Krieges mit deutscher Beteiligung gegen Jugoslawien auf Einladung eines linken Bündnisses (NAR) in Griechenland. Seit 2001 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Autorin von politischen Sachbüchern, Drehbüchern und Romanen. Anfang November 2007 erschien ihr neuestes Buch: »Ulrike Meinhof. Die Biografie« (Ullstein-Verlag). Der Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit liegt im Außerparlamentarischen.