
(10.4.2012)
Film „Der Schatten ist lang“ – Jura Soyfer und seine Zeitgenossen
Regie Eva Brenner / Stefan Schwietert (DOR Film, 1994)
Von und mit Eva Brenner (Regisseurin)
Dienstag, 17. April 2012, 19.30 Uhr
Kulturcafé 7Stern, Siebensterngasse 31, 1070 Wien
Moderation: Dr. Lutz Holzinger
Fünf Freunde um den politischen Dichter Jura Soyfer erzählen von ihrer gemeinsamen Jugend im Roten Wien. Als Teil des ungeheueren Aufbruchs einer Stadt, die aus den Ruinen der Monarchie den „neuen Menschen“ schaffen wollte, beteiligten sie sich an Demonstrationen, machten Agitproptheater oder gingen zu Arbeiterkonzerten in den neuen Gemeindehöfen. Begeistert erlebten sie die Umsetzung eines großangelegten sozialistischen Experiments, in dem sich politischer Aktivismus und künstlerisches Engagement intensiv durchdrangen und das in der ganzen Welt Beachtung fand. Diese Euphorie fand durch die Machtergreifung der Faschisten ein unwiderrufliches Ende. Die Freunde mussten das Land verlassen und wurden in die ganze Welt verstreut. Einige verbrachten viele Jahre in KZ oder Gefangenschaft, bevor sie ins selbstgewählte Exil gelangten. Jura Soyfer starb mit 26 Jahren im Konzentrationslager Buchenwald an Typhus. Die Spuren seiner Freunde führen von Wien, Berlin und Paris nach New York und Los Angeles…In ganz unterschiedlicher Weise sind ihre Lebenswege bis heute vom Geist des Roten Wien geprägt.
Wien wurde in den Bemühungen um den „Aufbau eines neues Menschengeschlechtes“ zur „Hauptstadt des Kindes“. Es hieß: "Wichtiger als die materiellen Dinge sind Erziehung und Bildung…niemand spricht von ihnen und doch werden sie im Laufe der Zeit der Stadt unser Gepräge geben. Bildung und Kultur sollte nicht mehr Privileg einiger weniger sein, sondern allen- auch Erwachsenen- zugute kommen. Neben Spitälern, Kindergärten, Ferienheimen, Mutterberatungsstellen, öffentlichen Schwimmbädern entstanden in allen Gemeindebezirken Arbeiterkulturstätten – Bibliotheken, Volkshochschulen, Laientheater etc. Das Experiment des Roten Wien lockte viele wichtige Künstler wie auch Jura Soyfer an, die Konzerte und Lesungen für die Arbeiter gaben.