Regierung und Multis sind sich einig
Mit seinem Vorstoß für eine weitere Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten
zeigt Arbeits- und Wirtschaftsminister Bartenstein einmal mehr, dass es ihm primär
um die Demontage der Rechte der ArbeitnehmerInnen geht.
Von Waltraud Stiefsohn
Wenn Bartenstein eine Samstagnachmittagsöffnung für eine Reihe von Unternehmen
wie z.B. Banken plant, so hat das überhaupt nichts mit moderner Zukunftslösung
zu tun, die so gerne als Argument ins Treffen geführt wird. Eine weitere
Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten nützt nur einer kleinen Gruppe
von Multis, für die Angestellten bringt sie aber eine massive Verschlechterung
ihrer Lebens- und Arbeits"qualität". Aber nicht nur die schwarz-blaue Belastungskoalition
wendet sich gegen die ArbeitnehmerInnen im Handel. Auch seitens der SPÖ und
der Grünen bleibt jede Unterstützung aus. Oder ist etwa der wirtschaftsfreundliche
Professor Van der Bellen gegen diesen Angriff auf die Rechte der Angestellten
aufgetreten? Oder war dem sonst so polterfreudigen Wiener Bürgermeister Häupl
ein Wort des Widerstandes zu entlocken?
Die KPÖ wendet sich entschieden gegen diese Aushebelung der im Kollektivvertrag
festgeschriebenen Samstagsregelung. Denn der Schutz der Rechte der ArbeitnehmerInnen
ist allemal wichtiger als das weitere Auffüllen der ohnehin prall ausgestatteten
Kassen der Banken und der Handelsmultis. Öffnungszeiten für Handelsmultis.
Mit dem geplanten Entwurf für eine völlige Freigabe der Öffnungszeiten
im Handel von Montag null Uhr bis Samstag 17 Uhr, rund um die Uhr, geht Bartenstein
sogar über die zwischen ÖVP und FPÖ paktierte Ausdehnung von 66
auf 72 Stunden pro Woche hinaus. Der einkaufsfreie Sonntag dient ohnehin nur mehr
als Alibi und könnte demnächst eliminiert werden. Denn das Ministerium
des Großindustriellen Bartenstein will auch die noch vorhandenen Einschränkungen
für Bahnhofsgeschäfte und Tankstellen-Shops an Sonntagen beseitigen,
woraufhin die Großmärkte mit Sicherheit "Gleichbehandlung" verlangen
werden.
Alle Umfragen und Erfahrungen zeigen, daß es seitens der KonsumentInnen
keinen realen Bedarf für derart ausgeweitete Öffnungszeiten gibt. Auch
die kleinen und mittleren Handelsbetriebe haben kein Interesse daran, weil sie
sich jetzt schon am zeitlichen Limit befinden. Nahversorger bleiben auf der Strecke
Gewinner dieser Öffnungszeiten sind die Multis. Auf der Strecke bleiben die
kleinen Nahversorger, die KonsumentInnen und die ArbeitnehmerInnen. Sie will die
Wirtschaft an ihre ständige Verfügbarkeit und an Arbeitszeiten rund
um die Uhr gewöhnen. Die zeitlich geschlossene und familienfreundliche Wochenend-Freizeit
als wesentlicher Ausdruck der Lebensqualität soll auf dem Altar der Profitlogik
geopfert werden. Dabei sind prekäre Beschäftigungsverhältnisse,
Teilzeitarbeit, Arbeit auf Abruf und schlechte Entlohnung heute schon Realität
für viele Handelsbeschäftigte.
Seit Beginn der Liberalisierung im Handel sind kaum neue Vollzeit-Arbeitsplätze
geschaffen worden, die Zahl der geringfügig Beschäftigten hingegen ist
drastisch angestiegen, und mit ihnen die soziale Unsicherheit.
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