von
"Einige Verhandlerinnen",
aus mund (<[email protected]>), 11. Oktober
2007
(foto: r.stein - über piazza)
Im Rahmen des Demoaufrufes der Grünen zum Thema “Schluss mit der
Unmenschlichkeit" gab es seitens der OrganisatorInnen eine Einladung
zu einem Redebeitrag an die ÖH. Die ÖH (ist in das Antifa-Bündnis
involviert und) wollte die Redezeit in Anspruch nehmen. Doch - Überraschung
- vor Ort wurde informiert, dass keine Redezeit zur Verfügung steht!
Denn die Grünen hatten, wie immer,
bereits genug in der Öffentlichkeit sehr bekannte Leute für ihre
Bühne vorrätig. Mehrmalige Interventionen, die Redezeit zur Verfügung
zu stellen, wurden kategorisch abgelehnt und die Verhandlerinnen abgeschaßelt.
Auch als eine Rednerin ausgefallen war, und also diese frei gewordene Zeit
locker ausgereicht hätte, blieb jener Organisator hart. Unter anderem
wurden wir darauf hingewiesen, dass auch Genner von Asyl in Not nicht auf
die Bühne dürfe, weil er zu “radikal" sei und vielleicht
dem/der einen oder anderen prominenten Redner oder Rednerin die Lust auf die
Bühne vertreiben hätte können … Wir finden diese platten
Ausgrenzungen durch grüne Macher und beispielsweise auch das bereits
institutionalisierte Promigetue statt Basisarbeit zum Kotzen, genauso wie
die Vorführung von Opfern rassistischer Politik in eventartigen Protestveranstaltungen.
Zwischen notwendiger
Öffentlichkeitsarbeit und beinhartem politischem Kalkül besteht
nämlich ein eklatanter Unterschied.
Solidarische und feministische Grüße
Einige “Verhandlerinnen"
Hier also der nichtgehaltene Redebeitrag des Antifa-Bündnisses
Im Rahmen des Antifa-Bündnisses möchten wir zu allererst von ganzem
Herzen eine solidarische Grußbotschaft an Zafete, Hadschi, Deniz Zeqaj
und Arigona Zogaj, aber auch an alle die andren Illegalisierten und Untergetauchten,
denen Selbiges gerade widerfährt , und von denen wir gar nichts wissen,
schicken! Mut, Kraft und Glück und viel Unterstützung wünschen
wir Euch allen, bei dem was ihr jetzt durchsteht.
Gerade wird wieder ein “Fall" bekannt. Eine 30jährige Frau
in Salzburg: sie lebte bei den Schwiegereltern, ist aus dem Kosova und ist
nach der Trennung vom Mann akut von Abschiebung bedroht; sie hat im Frauenhaus
Zuflucht. Auch in ihrem Fall gibt es die Forderung nach “humanitärem
Aufenthaltstitel" als einzigem Ausweg, um nicht abgeschoben zu werden.
Hier einige Worte zum Thema “Integration": Die Asylverfahren laufen
seit Jahren, die Betroffenen hatten das Glück, überhaupt zu einer
Rechts-Beratung zu kommen. Derzeit gibt es angeblich knapp 17.000 Personen,
die seit mehr als drei Jahren ein Asylverfahren laufen haben.
Die Bestrebungen der Behörden, aber auch der PolitikerInnen sind u.a.
gerade diese Beratung und Rechtshilfe möglichst zu unterbinden, um es
nicht zu so langen Verfahren kommen zu lassen (abgesehen davon, dass Mensch
sich die Kosten für die Anwältin/den Anwalt erst einmal leisten
können muss, denn die Verfahren sind teuer).
Entrechtung ist hier die “Abhilfe" die sich diese Schreibtischtäter
mit Zustimmung der Mehrheitsbevölkerung vorstellen!
Kriminalisierung!
Und Kriminalisierungsversuche gegen AnwältInnen und FlüchtlingsbetreuerInnen.
Isolierung der Flüchtlinge in der sofort verhängten Schubhaft und
keine rechtliche Betreuung ermöglichen, oder zumindest sehr schwer, das
ist die tagtägliche Praxis. Und insoferne ist es wahrlich eine “integrative
Meisterleistung", überhaupt so lange in Österreich in Armut
und weitgehender Entrechtung zu sein und durchzuhalten. Auch den “unbekannten
HelferInnen", die von Platter eine Anzeige wegen “Beihilfe zum
unbefugten Aufenthalt" angedroht bekamen, möchten wir hier unsere
Solidarität zum Ausdruck bringen!
Ihr seid mutig und klug!
Sie sind es ja, die Platter so platt machen, ihnen gilt in Wahrheit die Aussage
mit der “Erpressung".
Und bei dieser Gelegenheit möchten wir allen Anwesenden nahelegen, dass
es nicht nur gilt zu fordern, sondern dass wir alle gemeinsam diverse Forderungen
auch durchsetzen müssen!
UND WIEDER EIN “FALL", der soeben in den Medien auftaucht: Wir
lesen da in den Medien: Steyr: Asylwerber rammte sich Messer in den
Bauch. Zitat dieses Mannes: “Hier haben Hunde ein besseres Leben
als Menschen aus Afrika" - das ist traurig - aber er weiß
vermutlich ganz genau, wovon er spricht.
Er hatte nach Erhalt eines negativen Bescheides durch Flugblätterverteilen
auf seine Situation aufmerksam machen wollen und seine Absicht, sich vor einer
Abschiebung lieber umzubringen, mitgeteilt.Dies sind die Ergebnisse einer
Rasterfahndung im Auftrag von Platter - und seine willfährigen Beamten
erfüllen seine platte Gangart nur zu gerne.
Nach und nach werden “Härtefälle" bekannt! Immer mehr.
Dramatische Schicksale. Und wir sehen eine Bevölkerung, die klar vor
Augen hat, wie mit Menschen aus anderen Ländern, die nun seit geraumer
Zeit mitten unter ihnen leben, plötzlich umgegangen wird. Das schmerzt.
Wahrlich.
Das regt Gefühle der Empörung.
Zumal in den Medien immer und immer wieder von “langjährig Integrierten"
und hier fast ausschließlich von “Familien" die Rede ist.
Quer durch die Lager - bishin zu Haider - es geht um zerrissene “Familien"
und das Familienbild in dieser Gesellschaft!
WAS IST INTEGRATION?
Am Beispiel des GRÜNEN BLEIBERECHTSANTRAGES aufgrund von “sehr
guter, langjähriger Integration" - und “im Klartext: Wenn
nicht gravierende
Interessen der öffentlichen Sicherheit dem entgegen stehen", Zitat
Wien direkt 3/2007):
WAS IST INTEGRATION und WER BESTIMMT, WER INTEGRIERT IST, UND WAS BEDEUTET
DIESE UNVERMEIDLICHE BEDINGUNG der “INTEGRATION"?
Wie gut z.B. wäre eine schwarze Frau, ohne Familienanhang oder auch mit,
“integriert", wenn sie doch keine andre Wahl hätte, als jene:
als Prostituierte zu arbeiten. Weil das tatsächlich eine “legale"
Möglichkeit für asylsuchende Frauen IST, um zu Geld zum Leben zu
kommen. Hier in Österreich ist das so. Würden wir hier alle auch
von “gut integriert" sprechen? Was sagt ihr?
Und doch ist es tagtägliche Realität von Frauen, die um Asyl angesucht
haben, diesen “Job" zu tun, um zu überleben.
Wer oder was bestimmt also, was “langjährig gut integriert"
bedeutet?
Die Fremdenpolizei? Der Minister, seine Beamten?
Der Nachbar etwa, oder der Bürgermeister? Das Jugendamt, die Schule,
der Kindergarten?
Hallo!
Würde das irgendjemand von Euch wollen, würde sie oder er so durchleuchtet
und beurteilt?
Nein?
Eben!
Was bedeutet also dann diese konsensuale Forderung nach einem “Bleiberecht
für "langjährig, gut integrierte Familien"? Welche Konsequenzen
hat diese Forderung?
“Wir brauchen eine Amnestie" sagt Gusenbauer, der Kanzler, der
seine Wahlversprechen nicht eingehalten hat, im Falter.
Während es doch eigentlich für alle menschlichen Menschen eindeutig
und selbstverständlich sein sollte, dass “integrierte und langjährig
hier - soll ich sagen - vegetierende? Menschen mit nicht EU-Pass hier bleiben
DÜRFEN MÜSSEN!
Es geht um tausende Menschen, deren Akten bisher nicht erledigt wurden. Dies
vielleicht auch aus dem Grund, weil sie das Glück hatten, Rechtshilfe
und Rechtsvertretung überhaupt erlangen zu können! Mit diesen “Altlasten"
soll jetzt irgendwie verfahren werden...
Platter fühlt sich von einer 15jahre jungen Frau erpresst? Wie platt
muss einer sein, um zu denken, dass eine 15jährige den “Staat erpressen"
kann. Dass Zagona den Staat eventuell “terrorisiere" hat er noch
nicht gesagt, der Herr Platter, aber vielleicht kommt auch das noch.
Würde doch in die Strategien der Rechten und Konservativen passen.
Die Sippenhaftung, die im Rahmen des Abtransportes der negativ Beschiedenen
an den Tag tritt - sie trifft vor allem Frauen und Kinder!
Lässt er (der Familienvater z.B.) sich etwas Gesetzeswidriges zu Schulden
kommen, gehen sehr häufig Frau und Kinder mit ex- und hopp! Auch im Falle
von Trennungen und Scheidungen, auch in Fällen, wo der Mann gewalttätig
ist gegen Frau und Kinder, geht sie mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit über
die Grenze zurück irgendwohin.
Baba, und foi net!
Wieso eigentlich? Sehen wir nicht die Ungeheuerlichkeit solcher Regelungen,
wo Frauen und Kinder Gewalt ausgeliefert sind und sich dann nicht aus dieser
Gewalt befreien “dürfen", um nicht hinausgeschmissen zu werden?
Hier KANN dann gnädigerweise und total bürokratisch ein sogenanntes
“humanitäres Visum" und dergleichen erwirkt werden? Und jene
Frauen, die mit Österreichern verheiratet sind und keine eigene Existenzberechtigung
haben, durch das Fremdengesetz? Bei Scheidung droht hier dasselbe!
Abschiebung, kein Aufenthaltsrecht. Frauen als willfährige Opfer einer
patriarchalen Gesellschaftsordnung und -logik!
WO SIND DIE FRAUEN?
Es kommen doch zunehmend durch die Gesetzesverschärfungen, Schengen und
das Dublin-Abkommen nur mehr wenige, einzelne Männer zu uns über
die Grenzen. Frauen mit Kindern schaffen dies nur ganz schwer.
Dabei sollte aber bekannt sein, dass der überwiegende Anteil an Flüchtlingen
weltweit FRAUEN UND KINDER SIND!
Sie haben kaum eine Chance und auch nicht die Ressourcen, überhaupt in
diesen “Westen" zu gelangen.
Hier bin ich wieder beim Motto dieser heutigen Demonstration: “Human
Ribbon, Schluss mit der Unmenschlichkeit", und dem immer und immer wieder
gebetsmühlenartig angesprochenen Personenkreis in dieser Forderung, nämlich
die seit Jahren gut integrierten “Familien". “Wir sind das
menschliche Österreich", lese ich hier auf der Einladung zur Demo.
Klingt schön. Wirkt auch! Ist aber in Anbetracht dessen, was seit den
Verschärfungen der Gesetze vor wenigen Jahren, auch in diesem Land los
ist, eine gefährliche politische Schiene.
Denn es ist aufgrund dieser gebetmühlenartig wiederholten Forderung in
Bezug auf einen klar abgegrenzten Personenkreis anzunehmen, dass diese zugegebenen
- “Härten" - einer humanen Gnade von uns menschlichen StaatsbürgerInnen
mit weißer Hautfarbe und EU-Pass zugeführt werden.
Und was kommt dann?
Sind dann die Luken dicht? Noch dichter?
Wie lautet dann die “menschliche" Parole?
Darüber denken wir nach, weil es UNS ALLE BETRIFFT UND MIT UNS ALLEN
ETWAS MACHT, NICHT NUR MIT DEN “ANDEREN"!
Diese Kritik richtet sich gegen die derzeit überall in der EU, bzw. weltweit
herrschende Politik, die in sich rassistisch, nationalistisch, sexistisch
und propagandistisch ist und diese Zustände auch noch fest zementiert.
Das ist überlegenswert, wenn wir von “Menschlichkeit" reden,
die bis hierher und nicht weiter geht!
“Integration", die in Wahrheit Assimilationszwang bedeutet, ist
keine Integration.
Die Spaltung in die “Guten" und die “nicht Guten", also
die nicht "Brauchbaren", die wir dann in den privaten, gecharterten
Flieger setzen nach dem “Aus den Augen aus dem Sinn-Prinzip", ist
Selektion und impliziert Rassismus und Macht der Stärkeren! Wer eine
bessere Welt will, wer sich eine herrschaftsfreie, demokratische und menschliche
Gesellschaft vorstellen kann und darauf hin arbeitet, muss sich all diesen
Themen stellen.
Wie lautete doch unsere gemeinsame Kampfparole: “Zwei Schritte vorwärts,
ein Schritt zurück"! Hier aber beobachten wir einen gesellschaftlichen
Trend, der nur mehr Schritte zurück setzt. Und bald stehen wir alle an
der Wand, wenn diesen Fakten nicht auf den Grund gegangen wird.
RASSISMEN, NATIONALISMUS UND KAPITALISTISCHE VERWERTUNGSLOGIK: Die Conclusio
und damit die allererste Forderung nach einer wesentlichen Verbesserung -
gegen die gesetzlich verankerte und gut in unsere Gesellschaft integrierte
kapitalistische Verwertungslogik im Rahmen rassistischer, sexistischer und
patriarchaler Muster - ist doch die oft wiederholte Forderung “Bleiberecht
für ALLE und AUF DAUER", findet ihr nicht?
Wir glauben, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen, Viele dafür
zu gewinnen und unsere Forderungen durchzusetzen!
Ich danke für die Aufmerksamkeit und sag euch noch zum Abschied: denkt
doch bitte drüber nach, fasst Euch ein Herz!
“Auf Widerstand"
Kommt zur großen Demo des Antifa-Bündnisses am 17. November
2007
Watch out for Flyers!