Die britische Schriftstellerin Doris Lessing erhielt Donnerstag, 11. Oktober,
13.00 Uhr den Nobelpreis für Literatur 2007. Sie sei eine "Epikerin
der weiblichen Erfahrung", und habe sich "mit Skepsis, Feuer und
visionärer Kraft eine geteilte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen",
heißt es in der Begründung der Jury.
Die 1919 im Iran geborene Schriftstellerin, die in der britischen Kolonie
Südrhodesien (heute Simbabwe) aufwuchs und in den 40er Jahren nach England
zog, war immer auch (und gerade) eine politische Autorin. Sie war in der kommunistischen
Partei Englands engagiert, verließ diese aber im Zusammenhang mit der
Intervention der Warschauer Pakt-Staaten in Ungarn.
Die "Erzählerin von Geschichten über Menschen und Werte"
formulierte einmal, ihre Generation sei "überschattet von einer
Giftwolke der Kriege und des Leids" - diese leidvolle Erfahrung zieht
sich wie ein roter Faden durch ihr Oeuvre. Zu ihren bekanntesten Werken zählen
"Das goldene Notizbuch" aus dem Jahr 1962, das nicht zuletzt ihren
Ruf als Klassikerin der feministischen Literatur begründete, oder "Afrikanische
Tragödie" aus dem Jahr 1949, worin sie die Apartheid-Politik in
vielen Ländern Afrikas und ihre unterstützende Duldung durch die
westlichen Demokratien kritisierte.
Doris Lessing ist die elfte Frau, die den Literaturnobelpreis erhielt. Seit
der Erstvergabe des Preises im Jahr 1901 erhielten dagegen 93mal Männer
den mit derzeit 1,1 Millionen Euro dotierten Preis.
Während der deutsche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki die Vergabe
des Preises an Lessing als „bedauerlich“ bezeichnete, zumal „die
Welt bedeutendere und wichtigere Schriftsteller“ hätte, begrüßte
die Literaturnobelpreisträgerin aus dem Jahr 2004, Elfriede Jelinek,
die Vergabe an Lessing als „längst überfällig“.
Lessings „Goldenes Notizbuch“ sei sicher eines der wichtigsten
feministischen Werke der Literatur überhaupt, so Jelinek.
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