KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Maria ohne Gnaden

Von Karin Antlanger (20.8.2008)

Wer beim Hofer einkauft, kennt den Stress an der Kassa: Die unter Zeitdruck stehenden Kassierinnen sind dermaßen schnell, dass sie das Rückgeld schon in der Hand halten, noch bevor du alle Waren auf das Förderband gelegt hast. So wirst du immer wieder mit der eigenen Unzulänglichkeit konfrontiert, nämlich viel zu langsam zu sein.

Seit dem 18. August weiß ich aber, was es heißt, von einer offensichtlich unter Zeitdruck stehenden Kurzzeitministerin auf offener Straße überfallen zu werden. Dagegen ist das Einkaufen beim Hofer eine entspannende Wellness-Aktion:

Als ich  in Begleitung meines Sohnes an der Kreuzung warte, springt eine sportlich elegant gekleidete Frau meines Alters auf mich zu und fragt mich ob ich Kinder habe. Während ich noch überlege, ob sie das was angeht, schaut sie auf meinen Sohn und beantwortet ihre Frage selbst: „Ja, offensichtlich! Hier (und drückt mir ein Pickerl in die Hand), hier haben wir es: doppelte Familienbeihilfe jeden September!“ 

Nach der ersten Schrecksekunde erkenne ich sie: Maria Fekter, die Innenministerin leibhaftig auf der Linzer Mozartkreuzung im Wahleinsatz. Meinen Einwand, dass mir die Abschaffung der Studiengebühren mehr bringen würde, überhört sie. Sie ist nämlich schon beim nächsten Thema und drückt mir ein weiteres Pickerl in die Hand: „Und in Zukunft keine Zuwanderung ohne Deutschkurs! Wer bei uns leben will, muss unsere Sprache lernen!“ 

Ich hab mich mittlerweile ihrem Tempo etwas angepasst und wende blitzartig ein, dass ich nichts dagegen habe, dass MigrantInnen unsere Sprache lernen – nur die Sprachkurse sollten gratis sein. Doch das lässt das rhetorische Maschinengewehr nicht gelten: „Wer bei uns leben will, der soll auch dafür zahlen, wenn er die Sprache lernen muss.“ Ich versuch`s noch mal, indem ich einwende, dass AsylwerberInnen keine Kohle haben, wenn sie nicht arbeiten dürfen. Daraufhin erfahre ich: „Nein, die dürfen schon arbeiten.“

Womit sie zum nächsten Thema übergeht – ich bekomme ungefragt ein drittes Pickerl: „Falls sie Bedarf haben und es Sie interessiert: wir sind für die Verdoppelung der Pflegeförderung.“ Spricht`s und unterschreibt auf einer Karte, die sie mir auch in die Hand drückt.

Die Ampel schaltet auf Grün – ich ergreife die Flucht und sag zu meinem Sohn: „Warum drängt die mir ungefragt ein Autogramm auf, noch dazu auf so einer eigenartigen Karte?“ Der klärt mich dann darüber auf, dass ich offensichtlich nicht geschnallt habe, dass die Karte ein Polaroid-Abzug ist und uns ein Wahlkampfhelfer während des „Überfalls“ fotografiert hat und meint, dass die Verdoppelung der Pflegeförderung wohl für mich gedacht sei, wenn ich im Alter noch langsamer im Checken von Situationen werde…

Womit ich mich fast so unzulänglich fühle wie beim Hofer an der Kassa. Wenn Fekter nicht mehr Innenministerin wird, könnte sie sich ja um einen Teilzeit-Job beim Hofer bewerben.  Die Einschulungsphase an der Kassa kann sie sich allemal sparen. 

Aktuelles:


KPÖ Oberösterreich: Jetzt Unterstützungserklärung unterschreiben!
(14.7.2021)

...mehr


Die Europäische Linke fordert einmal mehr das Ende der Blockade gegen Kuba
(13.7.2021)

...mehr


Die neue Juli Volksstimme 2021 ist da!
(13.7.2021)

...mehr


KPÖ Graz: Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für Graz
(10.7.2021)

...mehr


38. Parteitag der KPÖ: In der ältesten Partei Österreichs übernehmen Junge das Ruder
(21.6.2021)

...mehr

Volksstimme - Politik & Kultur - Zwischenrufe links