
Von Dagmar Schulz (18.2.2008)
In der ORF-Sendung Im Zentrum forderte der ÖVP-Justizsprecher Heribert Donnerbauer im Rahmen einer Diskussion über die Fristenlösung unlängst vollmundig von den Frauen Mut zum Kind und fügte gleich hinzu, dass die ÖVP mittels Beratung zur Steigerung desselben beitragen wolle.
Da bleibt doch frau wieder mal der Mund offen vor Überraschung, aber auch Wut über so viel männliche Chuzpe. Mut zum Kind das heißt also: es fehlt nicht an Gratis-Kinderbetreuung (in Österreich nur 13% bei den unter Dreijährigen, dies ist weit unter dem EU-Mittel), es fehlt nicht an Ganztagsschulen, an Hortplätzen oder auch Lehrplätzen, es fehlt den Alleinerzieherinnen nicht an Geld (das eine Prozent Alleinerzieher vernachlässige ich hier bewusst), sondern bloß an Mut? (Welchen sie übrigens durch ÖVP-Beratung unverzüglich fassen werden?)
Was für ein heuchlerisches Geschwafel die ÖVP auch immer von sich gibt an Mut hat es den Frauen mit oder ohne Kindern eigentlich noch nie gefehlt eher schon an Karrierechancen zum Beispiel nach einer Babypause (Bei führenden Angestellten mit zwei Kindern ist das Verhältnis Männer:Frauen 90:10 bei kinderlosen immerhin 74:26) und an Gerechtigkeit, was die Entlohnung betrifft.
Und während den mutlosen Frauen von der ÖVP Beratung zu Teil wird, plant dieselbe Partei via Einführung des steuerrechtlichen Familiensplittings die nächste verdeckte Attacke auf die berufstätigen Frauen. Indem das Halten einer hauptberuflichen Patschenwärmerin für den gut verdienenden Pascha auch noch Steuervorteile bringt, ist die ÖVP ihrem Retro-Ziel von der kinderreichen Kernfamilie als allein selig machendes Modell wieder ein bisschen näher gerückt.
Nur was geschieht mit den Frauen, die auf irgend welche Art ihres Familienoberhauptes verlustig gegangen sind? Falls sie über 40 sind, haben sie zudem auch auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr. Vielleicht bekommen diese ja gemeinsam mit den 1,2 Millionen anderen BezieherInnen niedrigster Einkommen 100 Euro von Kanzler Gusenbauer und seiner SPÖ. Reicht laut SPÖ-Werbeaktion ja für einen vollen Einkaufswagen aus dem Supermarkt. Bloß was kommt dann? Wie will die SPÖ für ein Stoppen der marktbezogenen Inflation sorgen? (Vielleicht haben einige der alten GenossInnen noch einen Marx daheim liegen dort können sie nachlesen, wie der Kapitalismus funktioniert.)
Beratung zum Mut von der ÖVP und Almosen von der SPÖ im Fußball gilt Verhöhnung des Gegners als Regelverstoß, WählerInnen zu verhöhnen dürfte aber straffrei sein zumindest bis zur nächsten Wahl.