Neben dem weiblichen Zugang zu dieser Auszeichnung freut mich besonders der Inhalt ihrer Forschung: Elinor Ostrom hat als Umweltökonomin gezeigt, wie gemeinschaftliches Eigentum von Nutzerorganisationen erfolgreich verwaltet werden kann, heißt es in der Begründung der Königlich-Schwedischen Wissenschaftsakademie.
Die 1933 geborene Politikwissenschaftlerin geht in ihren Forschungen der Frage nach, wie öffentliche Güter, etwa Weideland, Grundwasserreservoirs oder Fischgründe, durch Nutzergemeinschaften verwaltet werden können. Dabei widerlegt sie die vorherrschende neoliberale Theorie, nach der Gemeinschaftseigentum von den NutzerInnen ausgebeutet wird und deswegen entweder reguliert oder privatisiert werden sollte.
Mit ihrer Forschungsarbeit setzt die US-Wissenschaftlerin also einen Kontrapunkt gegen die gängige These auch hierzulande, wonach das Gemeinschaftseigentum durch Sozialschmarotzertum und soziale Hängematte bedroht sei. Dies war ja eine der Begründungen für die Privatisierung, Auslagerung, Deregulierung oder Cross-Border-Leasing von Infrastrukturen und öffentlichen Dienstleistungen. Vielmehr geht es Ostrom um die Frage, wie institutionelle Regeln sich auf Handlungen von Individuen auswirken, die bestimmten Anreizen ausgesetzt sind, Entscheidungen treffen (müssen), und sich zudem noch gegenseitig beeinflussen, um zu praktikablen, gerechten und effizienten Lösungen für Probleme zu kommen. Ostroms Arbeit lehrt uns Neues über die tiefen Zusammenhänge, die die Kooperation in der Gesellschaft am Leben erhalten, so das Nobelkomitee.
Eines von Ostroms wichtigsten Büchern ist Governing the Commons aus dem Jahre 1990, das auf Deutsch unter dem Titel Die Verfassung der Allmende erschien. Darin finden sich viele Beispiele für Gemeinschaften, die sich jenseits von Staat und Markt selbst organisieren und die den ökonomischen Alltag gemeinsam regulieren. So berichtet die Autorin von türkischen Fischern, die mit Hilfe einer Lotterie die Seegebiete aufteilen, und von Bauern in der Schweiz, die die Weiden kollektiv bewirtschaften.
Ostroms Ansatz lässt sich auch auf globale Probleme wie den Klimawandel und die Verschmutzung der Meere übertragen. Die Wissenschaftlerin sucht nach dem passenden institutionellen Design für eine ökologisch verträgliche Wirtschaftsordnung. Manche bezeichnen Ostrom deshalb als Öko-Ökonomin. Vor zwei Jahren warnte Ostrom in einem Interview vor einer wachsenden Ungleichheit bei den Einkommen: Wenn es immer mehr Reiche gibt, die sich für etwas Besseres halten, ist das nicht gut für die Demokratie. Manche Managergehälter seien einfach obszön.
Elinor Ostrom teilt sich den Nobelpreis mit dem US-Wirtschaftswissenschaftler Oliver E. Williamson, der in seiner Forschung Modelle zur Konfliktlösung mit Hilfe von Unternehmensstrukturen entwickelt hat. Das Preisgeld, eine Million Euro, das sich die beiden teilen, möchte Elinor Ostrom Studenten und der Forschung spenden.