
Von Heidi Ambrosch (6.3.2009)
Eine mutige Ansage, aber leider falsch. Wir zahlen bereits und täglich mehr. Gerade deshalb wünsche ich mir viele Frauen am internationalen Frauentag auf der Straße, in Wien und anderswo.
Im Krisenverlauf der letzten Monate ließen sich die Opfer in meiner subjektiven medialen Wahrnehmung in folgender Reihung verorten:
Börsenspekulanten und USA-Hausbesitzer zuerst (die männliche Schreibweise ist in diesem Fall bewusst gewählt) dann namentliche Einzelschicksale aus der Rubrik Seitenblicke wie der deutsche Milliardär, der Selbstmord verübte gefolgt von den mehrheitlich männlich Beschäftigten in der Automobilbranche. Parallel dazu die nationalen Zusammenbrüche von Island bis Ungarn, hier und da nun auch ein erster Bericht über die katastrophalen Auswirkungen auf die Ärmsten, die ihre letzte Existenzgrundlage beim Müllaussortieren und Sammeln z.B. von Blechdosen aufgrund der fallenden Rohstoffpreise verlieren.
Frauen kamen explizit nicht vor. Auch nicht in den entsprechenden Konjunkturprogrammen, die, wie es scheint so gar nicht wirklich greifen wollen und die auch nur darauf angelegt sind, das bestehende Herrschaftsgefüge inklusive der hierarchischen Geschlechterverhältnisse wieder zu stabilisieren. Sollte dies gelingen, ist davon auszugehen, dass die Auswirkungen für Frauen mindestens zwei weitere Schritte zurück bedeuten. Dazu zwei Überlegungen:
Von einer Umverteilungspolitik, die gut bezahlte Arbeitsplätze schafft und damit eine deutliche Steigerung der Konsumnachfrage zur Folge hätte, ist aber auch so gar nichts in Sicht, sondern das Gegenteil zeichnet sich ab und wird auch „Frauenbranchen“ treffen. Bereits jetzt gibt es Rückgänge im Tourismus – einer von Frauen dominierten Branche. Viele „weibliche“ Dienstleistungsarbeitsplätze werden in Teilzeitarbeitsplätze umgewandelt. Insgesamt wird sich die Atypisierung von Beschäftigung weiter beschleunigen. Was wiederum noch geringere Einkommen und die nur partielle Integration in das Sozialsystem bedeutet, ein erneutes Anziehen der Armutsgefährdung unter Frauen vor allem für Alleinerziehende. Vom Altern in Würde keine Rede. Frauen trifft jede Verringerung des Einkommens, jeder Anstieg der Arbeitslosigkeit viel stärker, weil sie von einem niedrigen Einkommensniveau ausgehen und wenig Rücklagen haben.
Wenn die Haushaltseinkommen sinken, wird versucht, diesen Rückgang über Eigenleistung im Versorgungsbereich auszugleichen, sprich mehr unbezahlte Arbeit für Frauen. Was wiederum große Felsbrocken in den Weg legt, einen halbwegs gut bezahlten Hochgeschwindigkeitsjob zu besetzen.
Aber erwerbsarbeitslose Männer machen mehr Angst als erwerbsarbeitslose Frauen! Warum wohl?
„There is no alternative“, wie Margret Thatcher sagte? Warum nicht eine Dienstleistungsökonomie, die nicht auf Gewinn ausgerichtet ist. Es gibt die Versorgungsökonomie im Privaten, die unbezahlt ist, die aber einen hohen Anteil an der Wertschöpfung erbringt. Diese nicht profitorientierten Bereiche und die Marktökonomie sollten zusammen gedacht werden. Das ist ein wichtiger Ansatzpunkt feministischer Ökonomiekritik.