KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Der Teufel steckt im Detail

Von Bärbel Danneberg (16.3.2010)

Der Teufel steckt unter der Taille. In diesem Fall unter der Soutane. Unter dem Talar.

„Unter den Talaren steckt der Muff von tausend Jahren“, skandierte die Frauenbewegung in den 70er, 80er Jahren. Das weibliche Aufbegehren richtete sich gegen eine patriarchale Zuschreibung von Moral und Sexualität, die Frauen keine eigenständige Entscheidung über ihren Körper zugesteht. Abtreibung, Verhütung, Selbstbefriedigung, Kondome, Homosexualität – die katholische Amtskirche mit ihren alten Männern in den sakralen Frauengewändern hat sich stets angemaßt, darüber ethisch zu befinden und moralische Leitlinien zu erstellen.

Und nun das. Was dieser Tage durch dicke Klostermauern nach außen dringt, entsetzt die Öffentlichkeit. Ist es der Zölibat, der den Missbrauch an Kindern und Jugendlichen begünstigt und über dessen Abschaffung nun lauter nachgedacht wird? Oder ist das nicht vielmehr ein breiter zu diskutierendes Problem einer Denkrichtung, die unsere Gesellschaft über die Klostermauern hinaus bewegen sollte?

Wenn Männerbünde den Sexualkanon einer Gemeinschaft bestimmen, wenn ein hierarchisches, abgeschottetes System zu Doppelmoral und Heimlichtuerei herausfordert und wenn das Gefälle von Oben und Unten, von Macht und Ohnmacht sehr steil ist, dann wundern die Auswüchse nicht wirklich. Es ist ja kein Zufall, dass Gewalt und sexueller Missbrauch immer an Schwächeren ausgeübt wird – vor und hinter Klostermauern. Bei den Sängerknaben, in Familien, in Internaten oder in der Mühlkommune – oft die gleichen Erscheinungsweisen: Autoritätshörigkeit erzwingt schweigende Angst, Machtmissbrauch wird durch Hierarchie begünstigt. Der Film über die Friedrichshof­kinder, der dieser Tage anläuft, schildert die Auswüchse eines abgeschotteten, idealisierten Gesellschaftsmo­dells, das nicht mehr mit der Wirklichkeit korrespondiert. Mühl zumindest hat fünf Jahre für sein Sündenregister abgesessen. Ob den christlichen Tätern Ähnliches blüht, ist unwahrscheinlich, denn die Verjährungsfrist ist in vielen Fällen abgelaufen.

Das Schweigen, das Einbunkern und das Nicht-zur-Kenntnis-Nehmen von sexuellen Problemen gehört in das Schuldregister einer rigiden Amtskirche. Doch der Papst schweigt weiterhin. Die Kirche hat ihre Schützlinge, für deren Wohl sie zu sorgen hätte, im heiklen Pubertätsalter allein mit ihren Nöten gelassen. Und sie hat Jahrzehnte- ach was, Jahrhunderte lang nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass sie ein Problem hat mit den von ihr aufgestellten, weltfremden Wertigkeiten.

Es mag sein, dass die Historikerin Lucetta Scarraffia in einem Kommentar für Osservatore Romano einen entscheidenden Punkt trifft, wenn sie meint, dass Frauen eher bereit seien, Kinder und Jugendliche vor sexuellem Missbrauch zu schützen, Frauen hätten eher einen Zugang zum Leid von Schwächeren. Somit hätten Frauen in entsprechenden Positionen schweren Schaden von der Kirche abwenden können.

Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben? Wenn HC Strache den Missbrauch innerhalb der Kirchenmauern für ein Testosteronproblem hält und ihm Kastration als legitimes Bestrafungsmittel dazu einfällt, dann sieht man, wie weltfremd der Mann ist. Gewalt kann nicht durch Gewalt beantwortet werden. Und Missbrauch ist kein Hormonproblem, sondern ein gesellschaftliches.

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