Foto: Demonstration für das allgemeine Frauenwahlrecht am 19. März 1911 am ersten Frauentag in Wien (www.onb.ac.at)Von Hilde Grammel (11.2.2011)
Es war dies der Beginn einer kämpferischen Frauentradition, die es gilt, würdig zu feiern und gleichzeitig mit aktuellen feministischen und frauenpolitischen Anliegen zu verknüpfen. Denn auch 100 Jahre später existieren Patriarchat und Kapitalismus, mehr noch, sie greifen immer penetranter in die Lebens- und Arbeitsrealitäten von Frauen ein. Innerhalb der EU bspw. liegt Österreich mit 25,5 Prozent Verdienstunterschieden zwischen Männern und Frauen an drittletzter Stelle, vor Estland und der Slowakei. Aber das ist nur die Spitze des Eisberges.
Um auf die vielen uneingelösten Forderungen von Frauen und Feministinnen hinzuweisen und deren Einlösung zu fordern, hat sich die Plattform 20.000 Frauen gebildet 20.000 deshalb, weil es am 19. März 1911 in Wien so viele Frauen und Männer waren, die sich auf der Ringstraße für Frauenrechte stark machten , mit dem Ziel, auch heuer wieder so viele Menschen zu mobilisieren.
Ursprünglich von wenigen Aktivistinnen ausgehend, ist mittlerweile ein breites Bündnis entstanden, dem die Frauen des ÖGB, der SPÖ, der KPÖ und der Grünen ebenso angehören wie die Katholische Frauenbewegung, aber auch eine große Zahl an Frauenprojekten im Lande und viele, viele Einzelfrauen. Auf der Homepage der Plattform, www.20000frauen.at, können laufend Frauen und Frauenorganisationen, -einrichtungen, -projekte, -vereine, -organisationen usw. ihre drei wichtigsten feministischen und frauenpolitischen Forderungen veröffentlichen, samt Logo (falls Einrichtung) oder Foto (falls Einzelfrau). Inzwischen sind dort tausende von Frauenforderungen nachzulesen, aber auch vieles andere mehr zu finden: es gibt ein feministisches Bild- und Textarchiv (dort können Frauen Fotos von früheren 8. März-Demonstrationen hoch laden, aber auch spannende aktuelle oder historische Texte); es gibt zahlreiche Ansprechpartnerinnen für Ideen zur Demo selbst, laufend aktualisierte News über die Aktivitäten der Plattform usw. In allen Bundesländern liegen Materialien auf, die von Aktivistinnen überall in Umlauf gebracht werden. In Kooperation mit den ÖBB entstand ein Event-Ticket, das es Frauen aus den Bundesländern ermöglicht, am 19. März kostengünstig nach Wien zu kommen, aber auch Busse werden organisiert.
Von Anfang an war es uns wichtig, dass die Forderungen der Frauen in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit zum Ausdruck kommen und dennoch die gemeinsame Aktion möglich ist. Daher war es ein heftig umstrittener Diskussionspunkt, ob es einen zentralen Aufruf zur Demo geben soll. Dieser wurde dann doch als sinnvoll angesehen, da unsere Ansprechpartnerinnen sich ein Bild von uns machen wollten, bevor sie ihre Unterstützung zusagten. Auch hätten wir uns eines wichtigen Mobilisierungsinstruments entschlagen, hätten wir darauf verzichtet. Darin war es wichtig, als gemeinsame Positionierung eine Neoliberalismus-kritische, deutlich gegen rechts abgegrenzte und antisexistische Haltung zu formulieren.
Obwohl sich derzeit alle Energien auf die Vorbereitung der Demonstration konzentrieren, will das nun entstandene Netzwerk auch nach dem 19. März politisch Wirkung entfachen. Diese sieht so aus, dass es wieder Frauenenqueten wie zur Zeit Johanna Dohnals geben soll, als regelmäßige Begegnungs- und Austauschveranstaltungen zwischen Frauen in- und außerhalb der Institutionen, Wirkung, die sich aber auch darin niederschlägt, dass nötigenfalls den Forderungen der Frauenministerin politisch Nachdruck verliehen wird, mit einer außerparlamentarischen Bewegung im Hintergrund.
Anvisiert ist auch eine internationale Vernetzung, sodass etwa in fünf Jahren aus Anlass des Internationalen Frauentages große Demonstrationen von Frauen stattfinden.
Bleibt nur noch zu sagen: Frauen, meldet euch! Frauen, beteiligt euch! Frauen, bewegt!