KPÖ-Frauen-Infotisch im Parlament zur Feier von 100 Jahre internationaler Frauentag (Foto: Bettina Frenzel).Von Christiane Maringer (6.3.2011)
Sie begründet ihre Forderung damit, dass sich der Frauentag auf eine sozialistisch-kommunistische Tradition berufe, die heute nicht mehr notwendig sei. Wo eine Welt zwischen globaler Ausbeutung und kolonialem Imperialismus, zwischen zunehmendem Rechtsextremismus und Neoliberalismus sowie zwischen Entsolidarisierung und sexistischer Diskriminierung auf sozialistisch-kommunistische Tradition und auf den Widerstand von KommunistInnen aber verzichten kann, muss mir Schwarzer erst mal erklären.
Dieser Tag, der auf eine Initiative von Clara Zetkin zurückgeht, ist seit dem 19. März 1911, also seit dem ersten internationalen Frauentag, ein Kampftag für Feministinnen und frauenbewegte sozialistische Frauen.
Und er muss es heute mehr denn je sein!
Weil Frauen immer noch in kapitalistischen Ausbeutungs- und Reproduktionsverhältnissen leben, weil es immer noch eine geschlechterspezifische Arbeitsteilung gibt, die Frauen in vielerlei Formen diskriminiert, und weil Frauen noch immer nicht die ungeteilte Verfügungsgewalt über ihre Körper, über ihr Leben haben.
Den Muttertag, den könnte frau meinetwegen abschaffen. Der ist in jeder Weise der ideologische Kontrapunkt zum Frauen-Kampftag:
Weil er genau jene Klischees und Rollenbilder produziert und zelebriert, gegen die wir Frauen seit hundert Jahren international ankämpfen. Weil er während der Zeit des Faschismus mit einer menschenverachtenden Ideologie verbunden war, die die Frauen als Heldinnen des arischen Volkes und als Lieferantinnen für die faschistische Kriegsmaschinerie feierte. Und weil an diesem Tag ein Hohelied auf die kapitalistische Blumen- und Geschenkeindustrie gesungen wird, während Abertausende von Frauen in eben dieser Blumen- und Geschenkeindustrie unter miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen ihr Dasein fristen müssen.
Pfeifen wir auf diesen Krampftag! Aber feiern wir am 19. März 2011 den 100. Internationalen Frauentag als unseren Kampftag: Wir haben nichts, doch immerhin unsere Fesseln zu verlieren!