KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Kritik, Club 2 – Dohnals Erbe

Von Österreichischer Frauenring (9.3.2010)

Sehr geehrter Herren der Geschäftsführung,

sehr geehrte Damen,

letzten Mittwoch, am 3.3.2010, wurde ein Club 2 unter dem Titel „Johanna Dohnals Erbe“ mit der Moderatorin Eva Rossmann angekündigt. Die Sendung, die den Zuschauerinnen dann zu später Stunde zugemutet wurde, hat viele Frauen unserer Mitgliedsorga­nisationen so heftig irritiert, empört und verärgert, dass ich mich nun veranlasst sehe, Ihnen diese Kritik weiterzugeben.

Viele engagierte Frauen in Österreich sind entsetzt darüber, mit welcher Unbedachtheit und Fahrlässigkeit die Redaktion des Club 2 und auch die Moderatorin Rossmann die angebliche Gedenksendung für Johanna Dohnal geplant und durchgeführt haben.

BMin a.D. Johanna Dohnal war Zeit ihres Lebens eine Kämpferin für die Gleichberechtigung von Frauen, für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, gegen Gewalt an Frauen und Kindern und engagierte sich für Bildungs- und Karrierechancen. Außerdem war sie eine hochpolitische Frau, die nicht an den Symptomen der Zweitklassigkeit von Frauen in unserer Gesellschaft herumdoktern, sondern an deren Wurzeln gehen wollte. Und es auch tat. In diesem Sinne war sie radikal: radikal feministisch, radikal sozial, radikal friedensbewegt.

Umso erschütternder waren für die Frauen unserer Mitgliedsorga­nisationen die Auswahl der GästInnen des Clubs und die Themen, die angeschnitten wurden.

Befindlichkeit­sfragen wie jene, ob feministische Frauen sich gerne schön anziehen, sind angesichts der Lebenswirklichkeit von österreichischen Frauen nur als Hohn und Spott zu bezeichnen!

Tatsache ist, dass immer mehr Frauen in Österreich in prekären Beschäftigungsver­hältnissen arbeiten müssen, dass sich die soziale Situation von Alleinerzieherinnen drastisch verschlechtert und immer mehr von ihnen an oder unter der Armutsgrenze liegen, Österreich beim internationalen „Gender gap report“ an Stelle 42 in der Weltrangliste steht, dass Frauen nur zu 28 Prozent im Parlament vertreten sind, dass Frauen und Kinder immer noch Opfer von so genannten „Familientragödien“ (sprich: Männergewalt) werden, dass es in Österreich immer noch keine Quotenregelungen in börsennotierten Unternehmen oder in den Parlamentsparteien gibt. Und diese Liste könnte unendlich fortgesetzt werden.

Statt also darüber zu reden – und zwar mit erstklassigen und kompetenten GästInnen – haben u.a. zwei Männer, deren steinzeitliche Ansichten keineswegs für den Großteil der österreichischen Männer repräsentativ sind, ein Forum bekommen, das ihnen überhaupt nicht zusteht.

Mit einem Club 2 „in memoriam Johanna Dohnal“ hätte man die einmalige Chance gehabt, die epochalen Veränderungen, die mit dem politischen und persönlichen Leben Johanna Dohnals zusammengingen, historisch und gegenwärtig zu beleuchten und auch danach zu fragen, welche Missstände zur völligen Gleichberechtigung von Frauen noch aus dem Weg geräumt werden müssen.

Diese Chance wurde eindeutig vergeben.

Wenn die Entscheidungsträger im ORF schon nicht aus der Überzeugung handeln, dass Frauenrechte Menschenrechte sind, und diese auch sie etwas angehen, sollte man doch als Zuschauerin wenigsten davon ausgehen können, dass man vom ORF mit erstklassiger und journalistisch anspruchsvoller Ware versorgt wird. Und nicht mit einem oberflächigen, unerheblichen Larifari, dass es jedem verbieten müsste, in diesem Zusammenhang den Namen Dohnal in den Mund zu nehmen.

Ganz besonders in dieser Zeit der Trauer um BMin a.D. Johanna Dohnal ist es empörend und enttäuschen zu sehen, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk ORF mit dem Erbe Dohnals und mit der Lebenswirklichkeit von Frauen verfährt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Christa Pölzlbauer, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings

Email an: alexander.wrabetz@orf.at; elmar.oberhauser@orf.at; robert.stoppacher@orf.at; karl.amon@orf.at; monika.rupp@orf.at; ulrike.wuestenhagen@chello.atchristiana.jankovics@orf.at

Cc: gabriele.heinisch-hosek@bka.gv.at; sandra.frauenberger@gif.wien.gv.at

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