Ein Ende der Gewalt gegen Frauen
(11.11.2011)
25. November: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen
Seit die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 1999 den
25. November zum Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen
Frauen erklärt hat, ist dieser Tag für die feministischen Bewegungen
weltweit zu einem Tag des Kampfes, der Anklage, der Erinnerung und des
Widerstands gegen Gewalt an Frauen geworden.
Gewalt gegen Frauen ist Ausdruck patriarchaler Unterdrückung und der
Existenz machistischer und frauenfeindlicher Kulturen in verschiedenen
Gesellschaften ein Phänomen, das sogar im Herzen der kapitalistischen
Modernität weiter besteht, dort, wo Demokratie und universelle Rechte zumindest
formal Geltung haben.
- Gewalt an Frauen ist weit verbreitet und scheint nicht im Geringsten
abzunehmen. Jede dritte Frau auf der Welt und jede vierte in Europa ist dieser
Form der Gewalt ausgesetzt.
- Frauen widerfährt Gewalt durch Männer. Natürlich wenden nicht alle
Männer Gewalt gegen Frauen an, aber auf jeden Fall handelt es sich um eine
spezifische Form der Gewalt, die von Männern gegen Frauen und Mädchen
gerichtet wird. Männer wenden Gewalt an, um ihre Macht über Frauen zu erhalten
oder zu verstärken oder um diese Macht wieder zu erlangen, sollten sie sie
verloren haben.
- Lange Zeit ist diese Form der Gewalt unsichtbar geblieben, hat im
Verborgenen stattgefunden und wurde nicht geahndet. Mehr noch, sie konnte sich
der Übereinstimmung mit herrschenden Wertvorstellungen, Traditionen und
Gesetzen gewiss sein, die so weit reichte, dass dieses Phänomen als natürlich
und normal angesehen wurde. Heute ist Gewalt gegen Frauen ein Verbrechen, aber
sie wird nach wie vor von Einzelnen, von Institutionen und dem Staat als eine
streng private Angelegenheit und nicht als Verbrechen behandelt, das im
öffentlichen Bereich eine Rolle spielt.
- Frauen sind Opfer von Gewalt sowohl in ihrem Alltagsleben als auch in ihren
Wohnungen. Gewalt an Frauen wird von Partnern oder Verwandten ausgeübt und ist
ein Phänomen, das in allen sozialen Klassen anzutreffen ist.
- Gewalt an Frauen nimmt verschiedene Formen an: die Verletzung des Rechts auf
Selbstbestimmung, Zwangsehen, sexuelle oder psychische Belästigung, Ausbeutung
oder Diskriminierung. Besonders betroffen sind migrantische Frauen, wobei diese
spezifische von Männern ausgeübte Form der Gewalt jenes Leid vermehrt, das
durch die Behinderungen erzeugt wird, die diese Frauen erleben, wenn sie
innerhalb der Grenzen Europas ohne volle Rechte leben.
- Die Gebote und Vorschriften der Religionen, insbesondere der
monotheistischen, basieren auf der männlichen Vorherrschaft und oftmals auf
Gewalt. Frauen werden als geringere Wesen angesehen oder manchmal als Objekte
männlicher Lust und dem männlichen Willen unterworfen. Oder sie sind
verschiedenen Familienkodexen unterworfen. Sie erleiden die Gewalt und Macht der
Gesetze, Traditionen und Praktiken, die auf ihrer Unterwerfung unter das
männliche Geschlecht beruhen, wobei ihre Unterwerfung oftmals als natürlich
oder gottgewollt angesehen wird.
- In modernen Kriegen sind 70 bis 80 Prozent der Opfer ZivilistInnen, in der
Mehrheit Frauen. Sie werden in Flüchtlingslagern und Gefängnissen gefoltert
und erniedrigt. Sie werden systematisch vergewaltigt, wobei diese Praxis als
Waffe in zahlreichen Konflikten eingesetzt wird. In der Tat besteht eine enge
Verbindung zwischen Militarismus und patriarchaler Unterdrückung.
Aus diesem Grund fordern wir als Feministisches Netzwerk in der Europäischen
Linken und als Europäische Linke:
- Die Trennung der Bereiche der Religion und der Politik ebenso wie
Säkularität als Grundlage jedes Staates ebenso wie jeder sozialen und
politischen Gemeinschaft. Daher verteidigen wir die Rechte der Frauen auf
Selbstbestimmung, Zugang zu Verhütungsmitteln und Abtreibung. Insbesondere
bekämpfen wir den Anspruch des Vatikans, über das Leben von Frauen, ihre
Freiheit und ihre Sexualität zu bestimmen ebenso wie über die Sexualität und
die sexuelle Freiheit von LGBTIQ-Menschen.
- Die Verabschiedung eines Strafgesetztes gegen Genitalverstümmelung und
die Zwangsehe.
- Die europaweite Anerkennung und Ergänzung von Gesetzen, die die Gewalt
gegen Frauen und ihre Kinder beenden. Im Zentrum dieser Gesetze muss die
Prävention und die Früherkennung der ersten Symptome von Gewalt stehen, wofür
ein ausreichendes Budget zur Verfügung zu stellen ist, damit den Opfern dieser
Form von Gewalt geholfen werden kann und damit insbesondere migrantische Frauen
vollen Zugan zum Recht haben, unabhängig von ihrem aufenthaltsrechtlichen oder
verwaltungstechnischen Status in Europa.
- Die Beschränkung und Kontrolle von Waffenbesitz durch Einzelne, weil diese
Waffen gegen Frauen verwendet werden könnten.
- Frauenrechte dürfen nicht dafür missbraucht werden, neue Kriege oder die
Beschränkung von Zuwanderungsrechten zu rechtfertigen.
Es gehört zu den Grundsätzen der EL, sich nicht nur für eine Änderung der
Beziehungen zwischen den Klassen und die Abschaffung von Ausbeutung und
Unerdrückung einzusetzen, sondern auch die patriarchalen Strukturen in der
Gesellschaft und die daraus resultierenden sozialen und kulturellen Folgen zu
bekämpfen. Die Krisen in der Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, die Europa
befallen haben, sind das Ergebnis des Versagens des neoliberalen Kapitalismus
und geben zur Hoffnung Anlass, dass statt der barbarischen Herrschaft von Profit
und Kapital eine neue sozialistische Gesellschaft errichtet werden kann, die die
Natur bewahrt und in der Bedingungen geschaffen werden, die eine Revolution der
Frauen ermöglichen: die EL bekämpft sexistische Gewalt, die dem Machismus und
der patriarchalen Herrschaft entspringt.
Erklärung von EL-Fem und EL
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