KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Die Zeltstadt der Frauen – Ein Rückblick und ein Ausblick

Debatte mit Gewerkschafterinnen aus Griechenland und Portugal am Wiener Ring zur "Zeltstadt der Frauen"

Von Hilde Grammel (3.6.2012)

Am 12. Mai besetzten Frauen und -organisationen 10 Stunden lang den Wiener Ring, um ein anderes Da-Sein in einer von männlicher Logik strukturierten Welt zu zelebrieren. Zu dieser Aktion aufgerufen hatte die Plattform 20000frauen. Mitten auf einer der meist befahrenen Straßen der Stadt stellten wir über 60 Zelte auf und debattierten darin über Themen wie Sexualität(en), feministische Utopien, Medienkritik, Rebellion statt Rassismus und Rebellion statt Working Poor, Frauen aus Griechenland und Portugal waren da und berichteten über ihre Kämpfe und Wege aus der Krise war ein Thema. Vernetzten wollten wir uns miteinander, Konflikte ausdiskutieren, unser Bündnis, das im Vorfeld des 100. Jahrestages des Internationalen Frauentags entstanden war, festigen und erweitern usw. Und natürlich wollten wir signalisieren: Mit uns Frauen ist zu rechnen! Allein, was fehlte, war der Rasen auf dem Asphalt und die wärmenden Strahlen der Sonne. Stattdessen blies uns der kalte Wind um die Ohren und nur die wirklich abgehärteten blieben länger als sie mussten. Wochen der Organisationsarbeit zeitigten so auf den ersten Blick etwas magere Früchte, auch weil viele der geplanten Aktionen und Ideen nicht umgesetzt werden konnten.

Dennoch war die Zeltstadt der Frauen eine wichtige und richtige Veranstaltung. Und dies nicht nur, weil sie schon im Vorfeld die Kritiker auf den Plan gerufen hatte, die – wie etwa den Obmann der Wiener ÖVP Manfred Juraczka – meinten, dass der Ring nicht schon wieder für „drollige und sinnentleerte Veranstaltungen“ gesperrt werden dürfe und sich mit derlei Aussagen selbst ins patriarchale Off manövrierten. Weil nicht nur Geld und Arbeit und Geschäftemacherei unser Leben bestimmen dürfen.

Heute bläst uns nicht nur in wetterbedingter Hinsicht ein rauer Wind ins Gesicht. Wenn die Krise der Solidarität, an der Europa schon lange krankt, weiterhin Menschen in die Armut und ins Elend treibt wie aktuell in Griechenland, zum Wohle einiger weniger, die daraus Gewinne ziehen, dann sind kämpferische Gegenmaßnahmen der Vielen angesagt und nicht Abtauchen in die schöne neue Welt des Konsumzwangs und Behinderung der eigenen Denkfähigkeit durch massenmediale Gehirnwäsche. (Eigentlich leben wir ja in einer globalen und nicht nur einer kontinentalen Krise der Solidarität und das seit Jahrhunderten). Was es braucht ist die Entwicklung von Formen von Widerstand, auch in Österreich: Entwürfe einer anderen Gesellschaft und den Kampf um die Ressourcen, die es dazu braucht, sie Wirklichkeit werden zu lassen. Insofern war die Zeltstadt die Generalprobe für die nächste Frauen-Occupy-Aktion. Denn Frauen werden und müssen eine wichtige Rolle im Kampf um eine andere Welt spielen, die sonst keine andere Welt sein wird, sondern bloß eine Neuauflage der alten. Unsere alltäglichen Erfahrungen im Patriarchat qualifizieren uns dazu: Die vielen Stunden schlecht oder unbezahlter Arbeit, unsere gelebte Sorge um andere, unsere Erfahrungen mit Sexismus und Männergewalt, unsere Empörung gegenüber menschenfeindlichen Widersinn und „Geld (das sich in den Händen von Männern sammelt) regiert die Welt“, die ununterbrochen laufende Darstellung in Wort und Bild dessen, was wir zu sein haben oder seien, ohne uns selbst zu Wort kommen zu lassen und und und.

Wir haben uns schon lang Ressourcen zurückzuholen und über deren Verwendung auch zu bestimmen! Wenn wir den Männern zeitgerecht beigebracht hätten, ihr Geld mit uns zu teilen (und zwar nicht als Einzelne, sondern in der Gesellschaft insgesamt), hätten sie heute nicht so viel, dass sie damit den Unsinn anstellen, den sie in der Geschichte immer wieder und bis heute veranstaltet haben. Und vor allem hätten sie nicht diese destruktive Macht, die mit der Verfügung über Ressourcen in diesem Ausmaß verbunden ist.

In diesem Sine werden wir nicht aufhören, uns selbst zu ermächtigen – denn diese Welt braucht es!

Die nächste Zeltstadt wird dann vielleicht nicht mehr eine sein, für die Zelte angemietet werden müssen, sondern eine, die Frauen eigen-mächtig selbst organisieren!

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