KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Eindrücke vom Haló noviny Pressefest

Von Michael Heindl (12.10.2012)

Als eine Art Pendant zum Volksstimmefest der KPÖ findet jedes Jahr in Prag das Haló noviny-Pressefest der KS?M statt.

Aus Österreich waren als KPÖ-VertreterInnen Doris Schlager und ich nach Prag gereist. Am Samstag den 22. September trafen wir dort auch den früheren KPÖ-Bundesvorsitzenden Walter Baier, der ja nun Leiter von transform! Europe, also des Think Tanks der Partei der Europäischen Linken, ist.

Die tschechischen Genossen begrüßten uns freundlich. Vormittags bei regnerischem Wetter waren auf dem Gelände aber erwartungsgemäß nur spärlich BesucherInnen vorzufinden. Die 15 – 20 kleinen Stände der verschiedenen kommunistischen Organisationen vertrieben für mich schnell den Vergleich mit dem Volksstimmefest in Wien. Weiters wurde auch schnell klar, dass die kommunistische Partei in Tschechien, anders als die KPÖ, noch stark marxistisch-leninistisch orientiert ist.

Nachdem das Wetter gegen Mittag auch ein wenig freundlicher wurde und doch noch mehr Besucher den Weg zu der Veranstaltung fanden, fiel mir ein unerwartet reges Interesse der hauptsächlich älteren tschechischen GenossInnen an unserem bescheidenen KPÖ-Stand auf.

Obwohl wir nur deutschsprachiges Informationsma­terial bei uns hatten, kam es immer wieder zu Gesprächen, die sprachlich jedoch nur mühsam bewältigt werden konnten.

Ganz besonders freute ich mich über ein Gespräch mit zwei betagten Herren, von denen einer einen gewissen wienerischen Akzent besaß. Es stellte sich heraus, dass er in der Lessinggasse in Wien-Leopoldstadt aufwuchs, jedoch nach der Ermordung seines Vaters durch Nazis und dem nachfolgenden Selbstmord seiner Mutter, 1941 auf das Gebiet des heutigen Tschechien bzw. der heutigen Slowakei gelangt ist. Der zweite Herr, ein gebürtiger Tscheche, wurde von den Deutschen gezwungen, die deutsche Sprache zu erlernen, nachdem die Nazis die Schulen im Sudetengebiet „eingedeutscht“ hatten.

Abgesehen von den Gesprächen mit den tschechischen Besuchern, hatte ich auch einige sehr interessante Gespräche mit den Vertretern unserer deutschen Genossen von „Die Linke“, Beate Orth, Lutz Dühr und Dr. Klaus Gloede. Genossin Schlager unterhielt sich besonders angeregt mit Beate Orth, die Hartz IV-Betroffenen Beratung und rechtliche Unterstützung anbietet. Zu diesem Thema wurde auch über einen weiteren Informationsau­stausch gesprochen.

Gegen Ende des Festes lud man Genossin Schlager noch zu einem (unvorbereiteten) Interview vor Publikum ein, das ungefähr 20 Minuten dauerte und inhaltlich Fragen zur allgemeinen Linie der KPÖ behandelte. Genossin Schlager meisterte das Interview in einem Maße, dass ich darüber nur meine Bewunderung zum Ausdruck bringen kann. Für den Teil des Interviews, in dem sie sich über das bedingungslose Grundeinkommen und dessen Verknüpfung mit dem Feminismus äußerte, wurde sie nach der Veranstaltung noch von zahlreichen Frauen beglückwünscht.

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