KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Humanität zu Lasten der Frauen - Pflegekarenz ohne Entgelt ?


Als österreichische Antwort zum niederländischen Modell der "aktiven Sterbehilfe" wurde von den vier Parlamentsparteien ein "Entschließungsantrag zum Ausbau der Hospizarbeit in Österreich" vorgestellt, der schon Mitte dieses Jahres in Kraft treten könnte.
Eckpunkt dieses Antrags ist die so genannte "Pflegekarenz". Familienangehörige können sich bis zu sechs Monate teilweise oder voll karenzieren lassen, um sich sterbender Angehöriger anzunehmen. Während dieser Zeit würden Kranken- und Pensionsversicherungsbeiträge weiterbezahlt werden, auch einen Kündigungsschutz soll es in dieser Zeit geben, und wenn der Gepflegte vorzeitig stirbt, ein sofortiges Rückkehrrecht in den Beruf. Aber Geld gibt es dafür nicht.

Wer wird diese "Pflegekarenz" also in Anspruch nehmen (können)? Erraten, Frauen natürlich. Sie verdienen ja weniger als die Männer und müssten es ja auch sonst tun - halt neben der Arbeit.
In Würde und im eigenen Bett sterben, nicht abgeschoben werden – das mögen die Wünsche alter und junger Menschen sein, wenn das Thema aufs Altwerden und Sterben kommt. Da wird dann auch die Idylle der Großfamilie strapaziert, in der der alte, kranke und gebrechliche Mensch von seinen Angehörigen gepflegt und gehegt wird.

Doch die Realität ist eine andere, eine brutale. Kranke Menschen, die der Pflege bedürfen, werden zur Last, auch wenn sie geliebt werden. Denn die wenigsten der betreuenden Familienangehörigen sind darauf vorbereitet, geschweige denn medizinisch geschult worden. Neben der psychischen Belastung des persönlichen Mitgefühls kommt Schwerstarbeit auf sie zu wie zum Beispiel das Umbetten gebrechlicher Personen.
Es kommt nicht auf den Ort des Sterbens an, sondern auf die Betreuung, die dem Sterbenden zuteil wird. Anstelle des Ausbaus von altengerechten Pflegeeinrichtungen setzt auch hier die neoliberale Sparpolitik und deren Familienpolitik vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosigkeit an und verdrängt Frauen – ähnlich wie beim Kindergeld - zurück an den Herd zum Pflegen und Hegen.

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