KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Mädchen können mehr?

Zwar dürfen Mädchen heute schon pfeifen und Burschen manchmal auch weinen oder stricken, aber an den alten traditionellen Rollenbildern hat sich, wenn es um die berufliche Laufbahn geht, nicht wirklich etwas verändert.
Es gibt sie noch immer die typischen Männerberufe, die für Mädchen auch gerne "nicht-traditionelle Lehrberufe" genannt werden: das sind ca. 150 handwerklich-technische Lehrberufe, in denen der Frauenanteil unter 40 Prozent liegt - wie zum Beispiel KFZ-Mechaniker, Installateur, Maler, Tischler, Maurer, ...

In vielen Bereichen kann man Mädchen wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen suchen. Im Gegensatz dazu sind Burschen in Lehrberufen wie beispielsweise Friseur/in eine verschwindende Minderheit.
Dazu kommt, dass es seit Jahren zu wenig Lehrstellen gibt. Unternehmen weigern sich trotz staatlicher und regionaler Förderung, Lehrlinge auszubilden und öffentliche Ausbildungsstätten werden aus "Kostengründen" geschlossen, sie wollen lieber Fachkräfte aus dem Ausland einkaufen - das kommt billiger.
Die Chancen als Mädchen trotz geschlechtsneutraler Ausschreibungen überhaupt eine Lehrstelle zu bekommen sind nicht rosig, denn nur bei 60 Prozent der beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldeten Lehrstellen wollen die Unternehmen wirklich Mädchen einstellen, während den Burschen 80 Prozent offen stehen.
Das führt dann oft dazu, dass viele Mädchen gar nicht auf den Gedanken kommen, einmal etwas anderes zu machen, als von ihnen erwartet wird: So finden sich rund 60 Prozent der Mädchen in den Lehrberufen Friseurin, Einzelhandelskauffrau und Bürokauffrau.

Dass Mädchen in technischen und handwerklichen Berufen schlechter sind als Burschen, ist ein Vorurteil, das durch nichts belegt werden kann. Meist schneiden Mädchen sogar besser ab, weil sie eine höhere Motivation haben. Das Märchen, Mädchen und Frauen seien körperlich weniger belastbar, ist leicht zu entkräften: Schließlich ist dort, wo hauptsächlich Frauen arbeiten wie in den sozialen Berufen, Schwerstarbeit angesagt. Oder ist es schwerer, einen Hammer zu heben als einen alten Menschen aus dem Bett zu hieven? Frauenarbeit wird nur schlechter bezahlt.

Wer es dennoch geschafft hat, als Mädchen eine nicht-traditionelle Lehre zu beginnen, ist oft Sexismus und Diskriminierung ausgesetzt. Witze unter der Gürtellinie, anzügliche Bemerkungen, Grapschereien stehen auf der Tagesordnung. Doch was nützt es, wenn Mädchen nach viel Mühen ihren Wunschberuf zwar erlernt hat, aber nach der Behaltefrist gekündigt wird und keinen Job bekommt, weil es ein Mädchen ist.

Es gibt noch viel zu tun, Arbeiterkammern und Gewerkschaften sind gefordert.

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