KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Königinnen der Nacht?


Immer wenn es um gesetzliche Schlechterstellungen für Frauen geht, kommen sie uns mit dem Gleichbehandlungsargument. Das ist so bei der diskutierten Anhebung des weiblichen Pensionsalters, und so ist es bei der EU-geforderten Nachtarbeit für Frauen. Es wird nicht die bessere Lösung für beide Geschlechter angestrebt, sondern die schlechtere wird "geschlechtsneutral" zum Nachteil der Betroffen und zum Vorteil der Wirtschaft präsentiert. Es werden also die Frauen für Sozialdumping missbraucht.
Wirtschafts- und Arbeitsminister Bartenstein macht da (als Unternehmer) keine Ausnahme. Sein kürzlich vorgestellter Begutachtungsentwurf für das neue Nachtarbeits-Gesetz spricht die Sprache der Konzerne. Das kritisiert auch Salzburgs AK-Vizepräsident Pichler: "Die Nachtarbeitnehmer bekommen nicht jenen Schutz, der notwendig ist, um die enormen gesundheitlichen und sozialen Belastungen auszugleichen oder abzufedern." Pichler spricht von einem Rückschritt im Arbeitsnehmerschutz, während "die Wirtschaft sich vor Freude die Hände" reibt.
Was sind denn nun die Argumente FÜR das weibliche Nachtarbeiten? Unter Berufung auf das Gleichbehandlungsgebot heißt es, den Frauen würden die lukrativeren Jobs etwa in der IT-Branche vorenthalten, sie könnten auch nicht Bäckerinnen werden oder Lokführerinnen. Das Nachtarbeitsverbot für Frauen wäre mit ein Grund für die extrem niedrigen Fraueneinkommen. Doch in dieser Logik müssten Krankenschwestern eigentlich zu den Spitzenverdienerinnen gehören. Zwar ist es Tatsache, dass die Nachtzulagen im Pflegebereich das ansonsten nicht üppige Erwerbseinkommen aufbessern. Von einer grundlegend guten Bezahlung im "verweiblichten" Gesundheitsbereich kann aber keine Rede sein. Ebenso wenig von gelebter Gleichberechtigung bei der gesellschaftlichen Arbeitsteilung insgesamt.
Natürlich gibt es Arbeitsbereiche, in denen Nachtarbeit für Frauen erforderlich und oft auch mit Vorteilen beim Einkommen verbunden ist. Als Regisseurin, Schauspielerin, Managerin, Unternehmerin, Journalistin kann frau - freiberuflich - zur "Königin der Nacht" werden, wenn das Geschäft gut läuft. Doch die Regel ist das nicht. Die Regel heißt für Frauen: atypisch, flexibel rund um die Uhr, schlecht bezahlt und gesundheitsschädlich, dazu doppelt- und dreifachbelastet. Die (Männer-)Wirtschaft dankt.
Ich habe selbst jahrelang als Krankenschwester nachts gearbeitet. Und kleine Kinder versorgt. Ich weiß, wovon ich rede, wenn ich sage: Lasst euch nicht wie damals vor dem EU-Beitritt einlullen von den angeblichen Vorteilen. "Der ÖGB stellt auch fest, dass durch einen Beitritt zur EU die von den Gewerkschaften durchgesetzten sozialen Standards der Arbeitnehmer nicht gefährdet werden. Vielmehr eröffnet ein EU-Beitritt Chancen und Möglichkeiten, die österreichischen Sozialstandards weiter auszubauen", ließ der ÖGB am 9. Juni 1994 verlauten. Heute entspricht das österreichische Nachtarbeitsverbot für Frauen nicht mehr den EU-Richtlinien. Also hoppauf in die schwarze Nacht.

Bärbel Danneberg

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