Anläßlich des Internationalen Frauentags veranstalteten der Evrensel-Kulturverein gemeinsam mit den DIDF-Frauen und den KPÖ-Frauen Tirol ein Frauenfest.
Dr. Petra Stöckl hielt folgenden Redebeitrag für die KPÖ-Tirol:
Liebe Freundinnen, liebe Freunde!
Ich danke Euch allen für die Einladung. Es ist mir eine Ehre, dieses Fest zum Internationalen Frauentag mit Euch zu feiern.
Im Jahr 1899 beschwor Minna Cauer die Frauen: "Unseren Schwestern im 20. Jahrhundert rufen wir zu: Bringt das zu Ende, was wir
begonnen haben!" Nun sind wir bereits im 21. Jahrhundert, und der Internationale Frauentag ist für uns eine Gelegenheit zu überlegen: Was
haben wir erreicht und wie kommen wir weiter?
Das Frauenwahlrecht - für das Frauen einst bespuckt und verhöhnt wurden - ist für österreichische Staatsbürgerinnen längst
selbstverständlich. Nicht aber für Menschen, die die österreichische Staatsbürgerschaft nicht haben. Nicht einmal auf kommunaler Ebene
dürfen viele Menschen, Männer und Frauen, die hier leben, arbeiten und Mehrwert schaffen, das Wahlrecht ausüben. Wir Kommunistinnen
und Kommunisten sind nicht nur für das aktive, sondern auch für das passive Wahlrecht bei AK-Wahlen, Betriebsratswahlen und auf
kommunaler Ebene - unabhängig von der Staatsbürgerschaft.
Es ist notwendig, daß gerade Migrantinnen und Migranten sich aktiv am politischen Geschehen beteiligen können, ihre Meinung ausdrücken
können, mitgestalten können. Das Recht zu wählen ist dazu eine wichtige Möglichkeit. Der internationale Frauentag hat am Anfang den
Kampf um das Wahlrecht der Frauen zum Schwerpunkt gehabt. Es ist daher ein Tag, an dem wir diese Ungerechtigkeit gegenüber unseren
ausländischen Mitmenschen verstärkt in der Öffentlichkeit kritisieren und bekämpfen müssen.
Der internationale Frauentag war seit seiner Gründung im Jahr 1910 immer auch auf die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen
ausgerichtet. Diese Forderung ist über all die Jahre gleichgeblieben: Jede Frau soll ein wirtschaftlich unabhängiges und selbstbestimmtes
Leben in Frieden führen können.
Weltweit und auch in Österreich ist die Benachteiligung von Frauen immer noch eine Tatsache. Noch immer verdienen Frauen wesentlich
weniger als Männer, haben Frauen schlechtere Ausbildungsmöglichkeiten und schlechtere Aufstiegschancen. Ausländische Frauen leben
unter noch schwierigeren Bedingungen. Sie haben kaum Arbeits-möglichkeiten, so gut wie keinen Kündigungsschutz und verlieren bei
Krankheit noch öfter als Österreicherinnen den Arbeitsplatz. Dazu kommt, daß die Aufenthaltsgenehmigung von Migrantinnen an die des
Mannes gebunden ist. Das ist entwürdigend.
Weltweit, aber auch bei uns in Österreich, leben Menschen in hoffnungslosen Umständen, viele in Armut und Elend, obwohl die
wissenschaftlichen und technologischen Möglichkeiten ein gutes Leben für alle ermöglichen würden. Heute, zum Internationalen Frauentag,
bekräftigen wir: Wir wollen uns damit nicht abfinden. Wir möchten uns auch nicht damit zufrieden geben, kleine Verbesserungen zu
erreichen. Wir müssen uns für Frieden und Abrüstung einsetzen. Wir müssen für eine neue, gerechte und lebenswerte Gesellschaftsordnung
kämpfen. Und ich bin mir sicher - gemeinsam werden wir Auswege finden.
Ich wünsche uns allen an diesem Tag viel Kraft für unsere gemeinsamen Kämpfe. Danke für Eure Aufmerksamkeit!