Offener Brief der KPÖ-Frauen an die neue Frauen-
und Gleichstellungsministerin Doris Bures

Das
Ergebnis der Regierungsverhandlungen ist aus feministischer Sicht als katastrophal
zu bezeichne. Von einem „Kurswechsel“, wie ihn die SPÖ-Frauen
angekündigt haben, kann jedenfalls keine Rede sein.
Daran ändert auch die begrüßungswerte (Wieder-)Einrichtung des
Frauen- und Gleichstellungsministeriums nichts. Die im Regierungsprogramm enthaltene
Formulierung, dass Frauenangelegenheiten und Gleichstellung „eine Querschnittsmaterie“
darstellt, lässt, wie es bereits unter der seinerzeitigen großen Koalition
der Fall war, eine unzureichende Kompetenz erwarten. Das fehlende Budget unterstreicht
unsere Befürchtungen zusätzlich.
Die geplanten Verschärfungen der Zumutbarkeitsbestimmungen im Arbeitslosengesetz,
die Einführung einer österreichischen Variante von Hartz IV in Form
einer Sozialhilfe neu - genannt Mindestsicherung - mit massiven Restriktionen
(Einrechnung Heizkostenzuschüsse und Wohnbeihilfen, Regresspflicht, Verwertung
privaten Vermögens), die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten auf 72 Stunden
werden die Arbeits- und Lebensbedingungen von Frauen weiter verschlechtern.
Hinzu kommen weitere Belastungen durch erhöhte Krankenversicherungsbeiträge
oder durch die Erhöhung der Mineralölsteuer, die BezieherInnen niedriger
(Frauen-) Einkommen deutlich mehr belastet als andere.
Von der Rücknahme der Studiengebühren oder Pensionsverschlechterungen,
die die schwarz-blau-orange Kolition durchgesetzt hat, ist keine Rede mehr. Ebenso
steht der Stopp des Ausverkaufs öffentlichen Eigentums nicht zur Debatte,
wie auch der Wunsch nicht vom Tisch ist, Eurofighter um rund 2 Milliarden Euro
anzuschaffen, allein die Betriebskosten werden sich auf rund 1000 Mio Euro im
Jahr belaufen!
Die Prekarisierung und Verarmung großer Teile der Bevölkerung, insbesondere
der Frauen, wird prolongiert. Die Steuerbegünstigungen und Privilegien für
das große Kapital bleiben dagegen unangetastet.
Was kann/muss frau sich unter diesen Vorzeichen von einer Frauenministerin erwarten?
Wir, die KPÖ-Frauen, erwarten uns die sofortige
Einberufung eines bundesweiten Frauenratschlages unter Einbeziehung aller Frauenorganisationen,
Frauen- und Mädchenberatungseinrichtungen, sowie aller autonomen feministischen
Zusammenhänge!
Wien, 16.1.2007
. KPÖ-Frauen .
[email protected] . 01/503 65 80 . 1140, Drechslergasse 42 .
www.frauen.kpoe.at .
Reaktionen:
Die Standard,
16.1.07