Auslaufmodell Demo

Beim G 8-Gipfel demonstrierten „Zig-Tausende“, als Bush in Wien war
„Einige-Tausende“ und als Putin uns besuchte, waren es „Hundert-Zwanzig“.
Beim EU-Gipfel in Brüssel letzte Woche ist „Gar Niemand“ auf
die Straße gegangen. Wie kommen diese unterschiedlichen Mengen nur zustande?
Da muss ich mich doch fragen, ob nicht Demos im großem Stil gesteuert werden
und wir vielleicht gutgläubig in unserer Freizeit kostenlos etwas bzw. jemanden
unterstützen, das oder den wir gar nicht kennen oder durchschauen.
Ich möchte nur die Möglichkeit in den Raum stellen, dass man nicht immer
einer guten Sache dient, obwohl soziales Engagement immer einen guten Kern hat.
Undurchsichtig für uns nicht Eingeweihte.
Als Beispiel wäre anzuführen, die „gemachte“ Befreiung Rumäniens.
Radio- und Fernsehmeldungen wurden auf das Gröbste manipuliert und es ist
bewiesen, dass amerikanische Ausbilder bei uns in Traiskirchen rumänische
Flüchtlinge zu aggressiven Demonstranten ausgebildet haben, bevor sie nach
Hause geschickt wurden, um dort die Menschenmengen aufzuhetzen.
Oder die verkleidete Zivilpolizei, die sich in Heiligendamm unter die Menge mischte
um die Stimmung aggressiv anzuheizen. Die Medienberichterstattung über den
G8 Gipfel, die an eine Fußballberichterstattung ("I wär narrisch
!!!") erinnert!
Einer meiner persönlichen Opernballdemo-Erfahrungen: 50 Demonstrant/innen
(inkl. Journalisten + Fotografen) eskortiert von 950 Polizisten, die uns nach
einer Stunde auflösten, weil sie unsere Gewaltbereitschaft erkannt haben
!?!
Alles in allem muss man eingestehen: Demo ist nicht mehr die geeignete Form um
auf Missstände hinzuweisen, geschweige denn eine Verbesserung der angeprangerten
Zustände zu erreichen.
Oscar Wilde würde sagen: "Die Beständigkeit ist die letzte Zuflucht
der Phantasielosen!“
Dem entgegen zeigen uns Projekte in der Tschechien zur Zeit wie es auch kreativ
geht: Vorletzten Sonntag hat sich die Gruppe Initiative Ztohoven in den
öffentlich-rechtlichen Sender gehackt, um in harmonische Landschaftsbilder
(vergleichbar mit unserem Panoramablick) eine simulierte Detonation einer Atombombe
einzuspeisen.
Die Aufregung war groß und die Wirkung wird dementsprechend enorm sein und
niemand ist sinnlos auf der Straße gestanden und musste Polizeiprovokationen
über sich ergehen lassen.
Im April hat die selbe Gruppe in Prag „Ampelmännchen“ abgeschraubt
und durch liegende, pinkelnde oder trinkende Fantasiekreationen ersetzt und in
ihrem Bekennerschreiben regen sie an: die Menschen sollen sich die neuen Figuren
als Vorbild nehmen und ebenfalls ihre starren Positionen verlassen.
Niemand wird bei diesen Aktionen verletzt, weder verbal noch körperlich.
Trotzdem stehen sie natürlich außerhalb des Gesetzes und müssen
nun mit einer Anzeige rechnen, aber die derzeitigen von uns angeprangerten Gesetze
können nur überwunden werden, wenn es Vorbilder gibt, die sich so etwas
trauen und damit wieder Lust und Interesse am politischen Geschehen wecken.
In Radio Orange hörte ich einen Beitrag von jungen Schweizer Demonstrant/innen,
die sich in kleine Gruppen (8 bis 15 Personen) aufteilen und in Form von Sketchen
Aufführungen mit politischem Inhalt auf der Straße in lustiger und
kämpferischer Art vortragen.
Die Aktionen sind nicht angemeldet, aber immer ist schon alles vorbei,wenn die
Polizei auftaucht.
Und wieder ist es gewaltfrei, aber trotzdem nicht erlaubt. Geahndet wird dieses
Vorgehen von den Behörden aber nicht, weil es eine breite Zustimmung in der
Bevölkerung hierzu gibt.
Die Zeit ist reif für einen neuen noch nie
da gewesenen Aktionismus.
Ich freu mich drauf. Alles wird gut!
Eveline Ruis