Fette Jahre für PolitikerInnen

Regelmäßig wiesen die herrschenden Innsbrucker PolitkerInnen bei Budgeteinsparungen
darauf hin, dass auch ihre Mittel eingefroren sind – was stimmt: Seit 12
Jahren gab es eine Stagnation bei den Parteizuschüssen. Aber die Vorschläge
des heuer im Frühling neu gewählten Innsbrucker Gemeinderat gehen eindeutig
zu weit und verärgern. Mit dem Argument: „Eine funktionierende Demokratie
kostet Geld“ verlangen alle im Innsbrucker Rathaus vertretenen Parteien
die Erhöhung der Parteienförderung um 12 Prozent im kommenden
Jahr und für 2008 eine weitere Erhöhung um denselben Prozentsatz.
Es ist wahr, so viele InnsbruckerInnen wie noch nie haben am 1. Oktober 2006 ihr
Wahlrecht verschmäht, weil sie der Meinung waren, dass die regierenden Parteien
nach der Wahl sowieso machen, was sie wollen und durch Wahlverweigerung bestraft
werden könnten. Die Menschen haben tatsächlich das Gefühl, in einem
Land zu leben, in dem die Demokratie nicht mehr richtig funktioniert.
Kann durch das Füllen der Parteisäckel dieses Gefühl abgebaut werden?
Sicher nicht! In Innsbruck stehen viele Probleme an, die dringend einer Lösung
bedürfen und die – Geld kosten. Das erste Tiroler Frauenhaus kämpft
ums Überleben, weil die Stadtregierung der Meinung ist, sie zahle genug und
nun sollte den Umfeldgemeinden zur Kasse gebeten werden. Viele Menschen, darunter
Familien mit Kindern, warten auf eine Stadtwohnung, viele, auch alte Leute, die
besonders wärmebedürftig sind, müssen beim Heizen sparen und in
kalten Küchen leben, vielen ist das Leben verdüstert, weil sie keine
Arbeit und kein Einkommen haben. Krabbelstuben, Ganztagskindergärten und
Nachmittagsbetreuung, die sich die Eltern auch leisten können, brauchen die
BürgerInnen der Stadt ebenso dringend wie eine Verbesserung der Altenbetreuung.
Diese Probleme anzupacken, sich für eine Umverteilung, einen Kurswechsel
einzusetzen, der den Trend, die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer
zu machen, umkehren könnte, würde den Menschen die Erfahrung vermitteln,
in einer lebendigen Demokratie zu leben. Den Trog für die Parteien zu füllen,
verstärkt das Gefühl der Ohnmacht und der Resignation und mach die Menschen
noch politikverdrossener.
Rosmarie Thüminger