KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Mind the Gap


Vor kurzem wurde der Global Gender Gap Report 2006, der vom World Economic Forum beauftragt worden ist, veröffentlicht. Der Report bewertet – hauptsächlich unter Bezugnahme auf öffentlich zugängliche Daten internationaler Organisationen – 115 Länder in vier Bereichen hinsichtlich der Gleichstellung der Geschlechter: Ökonomische Teilhabe und Chancen, Bildungsabschlüsse, politische Ermächtigung und Gesundheit und Lebenserwartung.

Völlige Gleichstellung wird im Report mit 1 bewertet, völlige Ungleichstellung mit 0. Kein einziges der untersuchten Länder hat laut Report bereits eine vollständige Geschlechtergleichstellung erreicht. Nicht wirklich überraschend wird der Gesamtscore angeführt von den skandinavischen Ländern Schweden (0.8133), Norwegen (0.7994) und Finnland (0.7958). Österreich schneidet mit einem Score von 0,6986 (Platz 26) blamabel ab. Ausschlaggebend für das schlechte Gesamtergebnis für Österreich sind die Bereiche Ökonomische Teilhabe und Chancen (0.553) und politische Ermächtigung (0.282).

Natürlich ist bei derartigen Rankings immer Vorsicht angebracht. Die verwendeten Methoden und zugrundeliegenden Daten sollen und müssen einer kritischen Analyse unterzogen werden. Allerdings stimmen die erhobenen Daten gerade im Bereich Ökonomische Teilhabe, bei dem Österreich sehr schlecht abschneidet, genau mit den oft kritisierten Lebensrealitäten von Frauen hier zu Lande überein. Deswegen ist es nicht akzeptabel, dass Ministerin Rauch-Kallat in ihrer Stellungnahme zum Report nur lapidar meint: "Das zeigt einmal mehr, dass statistische Berichte und Studien – insbesondere von NGOs – nur bedingt vergleichbar sind, breiten Raum für Interpretationen lassen und daher von Haus aus mit Vorsicht zu werten sind. Unbestreitbar ist aber, dass wir weiterhin alle Anstrengungen unternehmen müssen, um Chancengleichheit und Geschlechtergleichstellung nicht nur de jure sondern auch de facto in Österreich sicherzustellen, wie dies auch in den letzten Jahren nachweisbar getan wurde".

Nachweisbar nichts zum Positiven geändert hat sich in den letzten Jahren an der geschlechtshierarchischen Arbeitsteilung in der Produktion und im Bereich der Reproduktion. Nach wie vor wird ein Großteil gesellschaftlich notwendiger Arbeit einseitig von Frauen gering oder gar nicht bezahlt geleistet. Nach wie vor beträgt der Lohnunterschied zum Beispiel in Wien 37 Prozent. Die Scheren sind keineswegs geschlossen, im Gegenteil, immer mehr Frauen leben in prekarisierten Verhältnissen und knapp am Rande der Armutsgrenze.

Für's erste ist der neu-zu-bildenden Regierung jedenfalls dringend an's Herz zu legen, sich die Gleichstellungs-Modelle der skandinavischen Länder genauer anzuschauen und tatsächliche Frauenpolitik auf die politische Agenda zu nehmen.

Langfristig tritt die KPÖ für ein neues Konzept der Einheit von Arbeit und Leben ein, das den Menschen in den Mittelpunkt rückt und allen eine eigenständige Existenzsicherung mittels bedingungslosem Grundeinkommen, das Recht auf umfassende Teilhabe, Bildung, Qualifikation und Berufsarbeit gewährt und die Aufteilung der Haus- und Familienarbeit selbstverständlich macht. Nicht damit Österreich bei irgendwelchen Rankings besser abschneidet, sondern für ein besseres Leben.
http://www.weforum.org/pdf/gendergap/report2006.pdf

Karla Huber

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